Vierzehn Jahre ist es her, dass wir den ersten Sperling-Plattenspieler an dieser Stelle vorgestellt haben. Und es ist definitiv erstaunlich, wie wenig die Konstrukteure über die Jahre zu ändern für nötig gehalten haben. Gut zu sehen am brandneuen Modell L-5
Test Plattenspieler Sperling L-5
Damals
Das erste Sperling-Laufwerk war und ist ein absolutes Monster von einem Plattenspieler. Damals hieß er noch M-2, dürfte mit dem immer noch aktuellen L-1 aber weitgehend identisch sein. Der zentnerschwere Laufweksbolide kann zwei Tonarme aufnehmen, baut 65 Zentimeter breit und derer 60 tief, womit es sich um eines der ausladendsten Laufwerke überhaupt handeln dürfte. Beim neuen L-5 geht’s ein wenig dezenter zur Sache – aber wirklich nur ein wenig. Sperling sparte eine Tonarmbasis ein und reduzierte den Teller von einer Stärke von 120 Millimetern auf immer noch äußerst imposante 95 Millimeter. Ansonsten aber ist auch der L-5 so Sperling, wie es ein Plattenspieler nur sein kann. Was auch für den Preis gilt: Mit 19750 Euro ist das Gerät ein gutes Stück außerhalb der Reichweite „normaler“ Gehaltsempfänger, in Relation zu anderen Vertretern seiner Zunft aber schon fast bodenständig.
Konstruktives
Wie bei Sperling üblich, handelt es sich auch beim L-5 um ein per Riemen angetriebenes Laufwerk. Klingt gewöhnlich, ist es in diesem Falle aber nicht. Ansgar Sperling setzt nämlich auf eine besonders harte Kopplung zwischen Motor und Plattenteller. Das tut er, indem er einen Riemen ohne nennenswerte Längendehnung einsetzt. Das hat den Vorteil, dass der Antrieb sehr unmittelbar auf „Kraftanforderungen“ seitens des Plattentellers reagieren kann. Und diese sollte man nicht unterschätzen: Erst einmal gilt es die Hemmung des Lagers auszugleichen – dazu kommen wir noch – und außerdem bremst der Abtastvorgang selbst den Teller durchaus nennenswert ab. Und das vor Allem sehr dynamisch, weshalb es wichtig ist, dass der Antrieb dieses Bremsmoment möglichst verzögerungsfrei ausgleichen kann.
Bedauerlicherweise handelt man sich durch die starre Kopplung jedoch auch potenzielle Probleme ein: Motorvibrationen werden ungedämpft auf den Teller übertragen und landen fast unweigerlich dort, wo sie garantiert nicht hingehören: nämlich in der Abtastzone. Um das zu vermeiden, setzte Sperling auf eine ganze Reihe von Maßnahmen. Erst einmal sorgt die nennenswerte Masse des Plattentellers für Absorption unerwünschter Schwingungen. Davon ab ist man bemüht, derartiges Ungemach erst gar nicht entstehen zu lassen.
Das Motorpulley wirkt unspektakulär, ist aber ein bei Zeiss in Jena gefertigtes PräzisionsteilEin selten beachtetes Bauteil in diesem Zusammenhang ist das Motorpulley: Hier ist sowohl beim Innen- als auch beim Außendurchmesser eine extreme Präzision gefragt. Deshalb befestigt Sperling dieses Bauteil auch nicht mit einer schnöden Verschraubung auf der Motorwelle, sondern schrumpft es auf. Dadurch verfügt es garantiert rundum über einen perfekt innigen Kontakt zur Welle. Die Außenkontur wird mit einem äußerst präzisen Schleifprozess hergestellt, die resultierenden Maßtoleranzen bewegen sich an der Grenze des technisch Machbaren. Solch ein Bauteil, fertigt man nicht beim Maschinenbauer um die Ecke, weshalb Sperling niemand Geringeren damit beauftragt als die Abteilung Musterbau von Carl Zeiss Jena – gewissermaßen dem Inbegriff deutscher Ingenieurskunst.
Die „Motordose“ ist die kompakteste, die Sperling bis dato gebaut hat
Die Motorsteuerung NRM-2 wurde überarbeitet, die Änderungen sind aber eher kosmetischer NaturDen Antrieb selbst besorgt ein betont vibrationsarmer Gleichstrommotor. Er steckt in einer neu designten Motordose mit drei Auslegern. Der längste der drei gehört unters Laufwerk. Der Grund dafür ist simple Hebelphysik: Der lange Ausleger verhindert jegliche Kippelneigung des Motors. Die Steuerung des Aggregats besorgt die jüngst renovierte Motorsteuerung NRM-2. Auf deren Front gibt’s neben einem Umschalter für die beiden Tellerdrehzahlen (und Stillstand) zwei Potis für den Drehzahlfeinabgleich. Hier kommen mittlerweile 20-Gang-Potis zum Zuge, die ein unerreicht feine Einstellung der Geschwindigkeit ermöglichen. Es schadet übrigens nicht, bei der Justage ein Viertelstündchen nach dem Einschalten des Antriebs nochmals zu kontrollieren – die Art der Motorsteuerung bedingt eine gewisse Aufwärmzeit. Da liegt nämlich der Hase im Pfeffer: Der Sperling-Antrieb ist nicht geregelt, sondern gesteuert. Will sagen: Es gibt keine Rückmeldung der tatsächlichen Drehzahl an den Antrieb, damit dieser entsprechend darauf reagieren könnte. Vielmehr jongliert die Steuerung mit dem Verhältnis von Strom und Spannung am - beziehungsweise durch - den Motor, um die Betriebsparameter konstant zu halten. Sorgfalt bei der Justage des Antriebs ist in jedem Falle gefragt, zumal sich auch die Riemenspannung als wichtiger Parameter für die Drehzahl entpuppt. Der Motor darf übrigens an jeder beliebigen Stelle rund ums Laufwerk stehen. Wer zum Beispiel in der Breite seiner Stellfläche begrenzt ist, darf ihn auch ganz nach vorne rücken. Man sollte allerdings darauf achten, dass man sich keine Einstrahlstörungen zwischen Motor und Abtaster einfängt; unterschiedliche Tonabnehmer reagieren da sehr verschieden.
Die Alu-Spikes sind feinfühlig in der Höhe verstellbar, für Härte an der Spitze sorgen EdelstahleinsätzeDas Laufwerk ruht auf drei plus einem höhenverstellbaren großformatigen Spikes. Sie bestehen aus Aluminium, ganz vorne sind Edelstahlzylinder eingelassen, die den Kontakt zur Stellfläche besorgen. Entsprechende „Untersetzer“ gehören zum Lieferumfang.
Der „plus eins“-Spike ist eine weitere Sperling-Besonderheit. Er ist exakt unterhalb des Tellerlagers angeordnet und dient nicht der Standfestigkeit, sondern einer koordinierten Schwingungsableitung an dieser Stelle. Er ist, wie seine drei Kollegen, sehr feinfühlig in der Höhe verstellbar. Über die Höhe des „Anpressdrucks“ an den Untergrund kann man den klanglichen Charakter des Laufwerks in erstaunlich hohem Maße variieren. Bei einer sehr strammen Kopplung klingt’s sehr diszipliniert und stramm, bei weniger Anpressdruck zunehmend weiträumiger, federnder und druckvoller. Ein erstaunlich effektiver „Klangregler“, der erstaunlicherweise noch nicht an anderer Stelle des Plattenspieler bauenden Universums aufgetaucht ist.
Die Montage des Tonarms erfolgt in bewährter Sperling-Manier. Daran beteiligt sind insgesamt drei massive Aluminiumteile, die in den Armausleger eingelassen sind. Der sichelförmige Teil kann innen oder außen montiert werden und bestimmt, ob man einen eher kurzen oder langen Arm befestigen will. Eine spezifisch für einen bestimmten Arm gefertigte Scheibe sitzt darüber hinaus exzentrisch in einer größeren runden Scheibe. Beide kann man vielfältig gegeneinander verdrehen, wodurch sich Einbauabstand und Ausrichtung des Arms in weiten Grenzen variieren lassen. Ich entschied mich für diesen Test für den Einsatz meines 12“-Arms von Thomas Schick, für den Sperling eine passende Basis fertigte.
Der Aufbau der imposanten Maschine ist weitgehend unproblematisch. Das Einstellen des Einbauabstandes für den Arm ist einfach, erfordert allerdings das Lösen und Wiederfestschrauben einer Menge Schrauben.
Eine Libelle zum exakten Nivellieren des Laufwerks ist eingebautDie waagerechte Ausrichtung klappt dank Spikes mit Feingewinde und eingebauter Dosenlibelle ebenfalls problemlos, lediglich das Thema „Drehzahl“ bedarf einer etwas höheren Aufmerksamkeit, wie weiter oben schon erwähnt. Unter dem Graphit-Headshell des Schick-Arms fand das brandneue Ortofon MC X50 Platz und wollte da auch gar nicht wieder weg. Der Abtaster ist verhältnismäßig bezahlbar, Gleiches gilt übrigens auch für den Tonarm, was das schlechte Gewissen bei der Beschäftigung mit dem Sperling L-5 wenigstens ein bisschen im Zaum hält.
Klang
Die Kombi spielt aus dem Stegreif vollkommen unangreifbar und stimmig. Man kann beliebig viel Zeit mit der Einstellung des Mittel-Spikes verbringen – muss man aber nicht. Wenn man’s mit dem Gegendruck übertreibt, tönt’s arg streng und dünn, ganz ohne schon mal erheblich freier und voluminöser. Das gefiel mir besser und landete bei einer Einstellung mit ganz wenig „Zappes“ auf dem Mitteldorn. Als perfektes „Einstellwerkzeug“ entpuppte sich dabei der ECM-Klassiker „Codona II“ (Walcott, Cherry, Vasconclos).
Wenn ein Tonarm reicht, ist der L-5 sicherlich ein endgültiger Plattenspieler Besonders die tiefen Trommeln zeigen offenbaren die Veränderungen recht deutlich. Überhaupt ist das eine Platte, mit der sich das immense Potenzial dieser Kombi bestens ausloten lässt. Wie präzise differenziert, antrittsschnell und klar das mitunter komplexe Geschehen hier beim Zuhörer ankommt, das ist schon etwas Besonderes. Ein echtes Fest für die Ohren: Don Cherrys Melodica auf „Malinye“. Auch wenn der Sperling das Echo der Nachbarrillenflanke ungeniert durchreicht, klingt dieses Kleinod extrem emotional, konzentriert und spannend. Die Zeichnung in den Präsenzlagen ist großartig transparent und locker, es klingt tatsächlich im besten Sinne des Wortes spektakulär. Das Geschehen atmet, alles flirrt quer durch den Raum und löst sich perfekt von den Lautsprechern. Für mich klingt Schallplattenwiedergabe an der Grenze des Machbaren genau so.
Unterm Strich…
Sperlings L-5 reiht sich nahtlos in die Kategorie der Superlaufwerke ein. Der auf die Spitze getriebene Riemenantrieb verwöhnt mit Leichtigkeit, Transparanz und absoluter Souveränität. Großartig!
Sperling L-5
- Preis: ca. 19750 Euro
- Vertrieb: Sperling Audio, Welver
- Telefon: 02921 3509390
- Internet: sperling-audio.de
- Garantie: 2 Jahre
- Abmessungen: ca. 550 x 450 x 220 mm (BxHxT)
- Gewicht: ca. 30 kg
GegenspielerPlattenspieler:
- Bergmann Audio Galder & Odin Signature
MitspielerTonabnehmer:
- Ortofon MC X50
- Lyra Atlas Lambda
- Otta Mandolin
Phonovorstufen:
- Alders & Lange Vinyl Engine VE 100-F
- AVM PH 5.3
- Music First Audio LP 103 LCR
Tonarme:
Vorverstärker:
Endverstärker:
Lautsprecher:
Gespieltes- Walcott / Cherry / Vaconcelos – Codona II
- Afghan Wigs – How Do You Burn?
- Airto – Free
- Rickie Lee Jones – It’s Like This