Plattenspieler sonoro audio Platinum Signature im Test, Bild
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Einzeltest > Plattenspieler > 16.07.2026

Analoge Kompetenzmaßnahme

Fast hätte ich als Überschrift „Wolf im Schafspelz“ gewählt, aber dann war ich zu geizig fürs Phrasenschwein. Doch im Kern stimmt das. Darf ein so unscheinbar daherkommender Plattenspieler so gut klingen? Wenn man an den richtigen Schrauben dreht, schon.

Plattenspieler Sonoro Platinum Signature

Plattenspieler sonoro audio Platinum Signature im Test, Bild
Ich liebe ja Sachen, die optisch so dezent daherkommen und dann richtig gut spielen
Ich fange also anders an: Das ist die Geschichte eines Plattenspielers, den ich wahrscheinlich übersehen hätte. Wäre da nicht Karl-Heinz Fink gewesen, der mir in seinem Essener Hörraum einen Prototypen davon vorgespielt hat. Damit wir uns richtig verstehen: Dort stehen andere, sehr potente Plattenspieler, und sein Hörraum lässt einen alles hören. Gerade deswegen habe ich über den Klang des unscheinbaren Geräts ziemlich gestaunt, denn ich kannte Sonoro bisher nicht als Hersteller kompetenter Plattenspieler, sondern für Radios aller Art. Aber die Neusser hatten sich überlegt, auch highendigere Komplettsysteme zu entwickeln und dafür Karl-Heinz Fink und sein Team engagiert. Überlegt doch mal: Ich kaufe mir ein Radio von Sonoro, vielleicht sogar ein Meisterstück. Und dann möchte ich einen Plattenspieler oder größere Lautsprecher plus Verstärker. Ist doch cool, wenn ich beim selben Hersteller auf demselben Niveau fündig werde, oder?

Können wir auch Plattenspieler?

Angefangen hat die Geschichte mit dem Sonoro-Chefeinkäufer (und mehr) Hans-Jörg Kirch, den sein Chef Marcel Faller fragte: „Sag mal, können wir auch Plattenspieler?“ Ohne es genau zu wissen, sagte Kirch spontan: „Können wir.“ Durch seine jahrzehntelange Erfahrung als „Trüffelschwein“ vor allem in Asien war und ist es Kirch gewohnt, Dinge möglich zu machen. Ein wunderbares Beispiel dafür ist, wie er das Tonarmkabel für den Platinum Signature gefunden hat. Auf der Hong Kong Audio Show entdeckte Kirch einen Aussteller, der bereits am Abbauen war. Die Leute hatten Audiokabel im Angebot, also fragte er noch eben nach einem Tonarmkabel. Man tauschte sich aus und die Firma schickte eins nach Neuss. Das war allerdings furchtbar. Aber das darauf folgende war dann genau richtig. Trüffeln und dranbleiben ist also die Devise. Der analoge Weg von Sonoro begann eigentlich mit dem manuellen Platinum, dem Urvater dieses Plattenspielers. Das Konzept dafür entstand 2019 in Hans-Jörg Kirchs Homeoffice. 2021 kam mit dem Platinum SE dann eine „Special Edition“ dazu, ausgestattet mit einem besser gelagerten Arm, einem Nagaoka MP 110 Tonabnehmer und dem gleichen Plattenteller, der jetzt auf dem Signature dreht. Darauf folgte im Sommer 2025 der halbautomatische Platinum EAS, der den normalen Platinum ablöste. Mit der Entwicklung des als Topmodell konzipierten Platinum Signature hatte Kirch im Sommer 2024 begonnen. Das lief ganz gut, aber nicht gut genug, denn nach einem halben Jahr war er frustriert: Er schien sich im Kreis zu drehen und war mit dem Ergebnis nicht zufrieden.

Enter Fink

Dann kam Karl-Heinz Fink an Bord, der neben seiner weltweit geschätzten Lautsprecherexpertise auch ein Elektronikstreichler und Mechanikverfeinerer ist. Ohne Fink und sein Team wäre laut Kirch niemals dieser Plattenspieler dabei herausgekommen.
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Das mitgelieferte Ortofon 2M Red sitzt dank schlauem Headshell und griffiger Überwurfmutter vom Tonarm perfekt
Plattenspieler sonoro audio Platinum Signature im Test, Bild
Von unten nach oben oder wie ich mich stelle, so spiele ich. Auch die Stellfüße hat Karl-Heinz Fink optimiert
Was er sein sollte, ist er aus meiner Sicht geworden: ein ausgesprochen stimmiges Gesamtpaket, mit dem man aus dem Karton mit dem Ortofon 2M Red bestückt und ohne dafür ein Plattenspielerabitur ablegen zu müssen, wie Fink süffisant meinte, richtig gut Schallplatten hören kann. Fink schnappte sich als Erstes den bestehenden Plattenspieler, als er ihn das erste Mal sah und machte sich Gedanken, wie man ihn optimieren könne, ohne seine Erscheinung zu verändern und die Bank zu sprengen. Sein erster Weg führte ihn zum Hersteller nach Taiwan, um herauszufinden, was technisch möglich war. Die erste Veränderung war einfach, hier profitierte er von den Erfahrungen mit dem Chassisbau seiner Lautsprecher. Wie dort geht es auch bei der Zarge eines solchen Brettspielers darum, die Mikromechanik zu optimieren. Das heißt, den montierten Teilen eine ideale Basis zur Verfügung zu stellen, die einerseits perfekt bedämpft ist, damit Resonanzen nicht wieder ins Abtastsystem gelangen können und andererseits auch nicht überdämpft ist, weil der Spieler sonst leblos klingt. Dafür nutzt Fink seine bewährte CLD-Sandwich-Technik: MDF-„Gel“-MDF. Das „Gel“ ist ein dauerelastischer Leim, der wie der Name schon sagt, nicht aushärtet. Optisch sieht die Zarge wie zuvor aus, akustisch verhält sie sich aber völlig anders, sodass schon der Klangsprung damit erstaunlich war.

Weitere Verfeinerungen

Das war aber erst der Anfang. Den DCMotor kannte Fink. Das ist ein tendenziell einfacher Kollege, der aber stabil arbeitet.
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Wichtiges Detail: Das Lager ist sauber und rigide im Chassis verankert. Das macht sehr viel aus
 Er hat seine Steuerung verändert, er wird nach wie vor über einen Mikrocontroller angetrieben, nun tastet ein Sensor die Geschwindigkeit mit einer Scheibe ab und meldet die Werte zurück, woraufhin entsprechend geregelt wird. Die Auswirkungen eines guten linearen Netzteils waren nicht im Budget, also versuchten sie, das Steckernetzteil dorthin zu bringen. Sie kamen auf eine Schaltung, die laut Teammitglied Rainer Finck schon bei Marantz gerne verwendet wurde: man simuliert einen Filterkondensator elektronisch und erreicht, wenn das gut gemacht ist, in etwa 90 % der Wirkung eines Linearnetzteils. Der ausgesprochen störungsarme Betrieb gibt ihnen Recht. Das Lager war als Standard zu einfach, ihm wurde ein Delrin-Lagerspiegel verordnet und auch ein definierter Widerstand zur Stabilisierung des Riemenantriebs. Seine Verankerung im Chassis wurde ebenfalls optimiert. Ein neuer Teller war nicht im Budget, also suchte Fink den besten aus dem Baukasten aus: ein 1,6 kg schwereres, innen bedämpftes Modell. Der Teller hat am Rand eine kleine Stufe, die der Hersteller bewusst so lässt, weil seine Kunden nie zufrieden sind, wenn er versucht, sie perfekt abzudrehen.

Auf die Matte...

… kann es ankommen. Die Stufe im Teller gab Fink die Idee für eine Matte. Eine reine Gummimatte fiel aus, denn die würde auf der Stufe gewissermaßen in der Luft hängen und neue Resonanzfelder aufmachen. Von den vielen Matten aus Finks Bestand wählte er eine bewährte Gummi-Filz-Matte, die von einem Yamaha-Oberklassespieler kam. Der Membranspezialist Kurt Müller aus Krefeld hatte für solche Matten sogar ein Werkzeug im Angebot, gefertigt wird die neue Matte aber in Taiwan. Das Gummi bildet die Oberseite, verklebt wird es auf der Unterseite mit dem passend zugeschnittenen Filz, der genau in die Vertiefung des Tellers passt. Die Matte wiegt knapp 500 Gramm und funktioniert hervorragend. Fink rief Hans-Jörg Kirch an, und der war höchst erstaunt darüber, was für einen Unterschied Tellermatten machen können, als er sie im Vergleich hörte. Die Investition fiel ihm aber leicht, denn dadurch und durch die mit Feder und Bedämpfung optimierten Stellfüße konnte er das günstigere Ortofon 2M Red mit ins Paket packen. Der Platinum Signature klang mit einer anderen Matte erst mit dem doppelt so teuren 2M Blue vergleichbar gut.

Der Tonarm

Der Tonarm war prinzipiell schon vernünftig, die Lager prima. Seine Montage in der Zarge war allerdings nicht so, wie Fink sich das vorstellte. Er entschied sich für eine verstärkte Montageplatte aus Aluminium. Zuerst wird der Tonarm mit einer seitlichen Madenschraube geklemmt oder gelöst. Die Schraube zu fixieren, darf man nicht vergessen, wenn man die Höhe des Arms perfekt justiert hat. Man öffnet also diese Inbusschraube und lockert die neue, große Überwurfmutter an der Armbasis. Nun kann man den Arm perfekt in der Höhe justieren, dreht die Überwurfmutter handfest und fixiert dann das Ganze mit der Madenschraube außen. Denn tut man das nicht, kann sich die Überwurfmutter lockern. Das Armrohr ist im hinteren Teil innen bedämpft, das Gegengewicht gut verschieb- und fixierbar. Es wurde in Form und Gewicht so optimiert, dass man sehr viele Tonabnehmer damit ausbalancieren kann. Das Antiskating wird ganz klassisch mit Ausleger, Faden und Gewicht gelöst. Fink war eine Headshellverschraubung á la SME wichtig, um für unterschiedliche Tonabnehmer kompatibel zu sein. Er erinnerte sich an die klassische Wega-Headshell mit ihren integrierten und unfassbar praktischen Überhangmarkierungen, und genau so eine findet sich jetzt am Tonarm des Sonoro Platinum Signature. Wäre doch nur jeder Entwickler so schlau. Dazu gibt es eine mitgelieferte Schablone und so ist man auch ohne Plattenspielerabitur, ihr erinnert euch, in der Lage, mit anderen Tonabnehmern zu experimentieren. Schon mit dem 2M Red klingt der Platinum Signature aber so stimmig, dass man das auch erst einmal sein lassen kann. Am Ende wurde das angesprochene Kabel mit niedriger Kapazität (unter 100 pF) eingesetzt, das den stimmigen Klang des Sonoro-Gesamtpakets unterstützt.

Klangkompetenzen

Da steht er also, dieser wirklich sehr dezente, ganz und gar unaufdringliche Plattenspieler und dreht seine Runden so leise, wie ich es mir von jedem Plattenspieler wünschen würde. Wie erwähnt, macht der Sonoro Platinum Signature schon mit seinem vormontierten Ortofon 2M Red so viel Freude, dass die meisten Käufer daran kaum etwas ändern dürften. Ich bin natürlich anders, auch weil ich bei Fink gehört habe, wie er mit einem Goldring 1042 für etwa 400 Euro klingt, nämlich hervorragend. Also habe ich mein Dynavector 10 x 5 MKII NEO in der High-Output-Variante montiert und nicht schlecht gestaunt. Das kostet in etwa die Hälfte des gesamten Plattenspielers und klingt damit hervorragend. Ich höre alle seine positiven Eigenschaften, die Feinauflösung, die erstaunliche Mikro- und Makrodynamik und die wunderschönen Klangfarben. Der Tonarm kann also wirklich was. Meine Musikbeispiele habe ich aber mit dem 2M Red gemacht. Mich hat es, warum auch immer, erst einmal zu souligen Platten wie Vieux Farka Toure & Khruangbin „Ali“ hingezogen. Da geht es weniger um Feinauflösung als um einen stimmigen Gesamtklang mit Wärme, Dynamik und sattem Bass. Kann der Sonoro das? Er kann und grooved absolut überzeugend durch diesen irren Stilmix. Curtis Mayfields Soundtrack Short Eyes ist die Musik zu einem weniger bekannten Film über ein New Yorker Gefängnis, in dem vor allem Afroamerikaner und Puertoricaner einsaßen. Das ist fette 70er-Jahre-Mucke, einfach herrlich und auch hier liefert der Sonoro den Punch, den Karl-Heinz Fink so schätzt und der ihm als Entwicklungsziel ganz wichtig war. Man würde dem Platinum Signature diese Größe in der Abbildung und einen solchen Nachdruck aufgrund seiner Optik nicht zutrauen. Ich kann euch aber nur ermuntern, ihn euch anzuhören. Und dass er auch fein kann, zeigt er mit der nächsten Scheibe. Joan as Policewoman bringt in den letzten Jahren nur noch Edelsteine heraus und Lemons, Limes and Orchids gehört dazu. „(I want you) back again“ höre ich ganz leise und ich liebe es, wenn eine Stimme und alle feinen Informationen ganz unaufdringlich in mein System gelangen, ohne dass ich mich dafür anstrengen muss. Und so ist es hier. Die ganze Delikatesse und Schönheit dieser Musik ist intakt und vermittelt sich unaufdringlich und vollständig: Bravo. 

Mitspieler

Tonabnehmer:
  • Ortofon 2M Red
  • Dynavector 10x5 MKII NEO High Output
Vollverstärker:
  • Canor Virtus I4S
Lautsprecher:
  • Greenwall Ivy

Gegenspieler

Plattenspieler:
  • PTP Audio Solid 9 Speciaal Stadshout mit Schröder Nr. 2 SQ

Plattenspieler sonoro audio Platinum Signature im Test, Bild
Joan as Policewoman – Real Life Evolution
Gespieltes

  • Joan as Policewoman: Real Life Evolution
  • Vieux Farka Toure & Khruangbin: Ali
  • Joan as Policewoman: Lemons, Limes and Orchids
  • Earth, Wind and Fire: Gratitude
  • Modern Jazz Quartet: The Last Concert




Fazit

KategoriePlattenspieler
ProduktPlatinum Signature
Herstellersonoro audio
Preis1199 Euro
Getestet vonChristian Bayer
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Christian Bayer
Redakteur / Tester

Christian Bayer


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