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Musikrezension > Platte > 06.01.2026

Mad Season – Above


Genre: Alternative Rock

Der Anlass, Kurt Cobains Tod, war ein trauriger. Aber was Mitglieder der Walkabouts, Pearl Jam, Alice in Chains und Screaming Trees unter dem Namen Mad Season damals veröffentlichten, sucht auch heute noch seinesgleichen. 

Melancholie trifft fiebrigen Blues, Grunge flirtet mit Barjazz in einer abgedunkelten Hotellounge. „Above*“ hat keine radiotauglichen Singles oder Stadionhymnen und stellt dennoch alles in den Schatten. „Wake up“ macht den Anfang. Ein sanfter, verhaltener Auftakt. Ein traurig wummernder Bass, dezentes Drumming und bluesige Gitarrenakzente. Dann, wie aus dem Nichts, Layne Stayles Stimme, verhalten und zerbrechlich. Doch unter dieser Oberfl äche brodeln unterschwellig gewaltige Emotionen, die sich gegen Ende dann den Weg an die Oberfl äche bahnen. Mike McCready verneigt sich in seinem Solo ehrfürchtig vor Jimi Hendrix. „X-Ray Mind“ kombiniert Santana-Vibes mit Sabbath Schwermut und kreiert damit einen schwül-warmen Fiebertraum. Diese Nummer windet sich wie ein zugedröhnter Pauschaltourist in einem, von Moskitos verseuchten Hotelzimmer, in dem auch noch die Klimaanlage defekt ist. „River of Deceit“ ist eine schöne, folkig angehauchte Ballade, die Layne Stayley wieder von einer ruhigen und verhaltenen Seite zeigt. Beim Titeltrack „Above“ meldet sich dann Mark Lanegan erstmals zu Wort. Seine Sandpapier-Stimme schwebt anfangs traumwandlerisch über dem Geschehen, bäumt sich dann für eine wütende Bridge auf, nur um hinterher den Hörer wieder in trügerische Sicherheit zurückzuschmeicheln. Und so geht „Above“ dann auch weiter. 

Dieses Album bietet einen facettenreichen Trip durch die Musikgeschichte, nimmt Grunge, 70s Rock, Latino-Sounds und Folk mit und bahnt sich seinen Weg durch das Gehör wie ein zähflüssiger Lavastrom. „Long Gone Day“ bringt es auf den Punkt: Eine kongeniale Verschmelzung von Lounge-Jazz, Psychedelic, Rock und Blues. Mad Seasons einziges Album gehört, ohne Zweifel, zu den schönsten und mitreissenden Alben der 90er. Es ist, zu gleichen Teilen „Apocalypse Now“ und „Taxi Driver“, Satinbettwäsche und Nagelbrett. Allen Musikfreaks, die ohne Scheuklappen durch die Welt gehen, sollten hier beide Ohren riskieren. Die Deluxe Edition wurde u. a. mit dem grandios rockenden „Locomotive“ und der wunderschönen Ballade „Black Book of Fear“, dem John-Lennon -Cover „I don´t want to be a Soldier“ sowie einigen famosen Livemitschnitten ausgestattet.

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Fazit

KategoriePlatte
ProduktMad Season – Above
HerstellerColumbia
Preis0 Euro
Getestet vonLars Bartmann
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Einflussreich - Röhrenvorverstärker Air Tight ATC-7

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Lars Bartmann
Redakteur / Tester

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