Etwas vorbelastet sind wir ja schon in Sachen Soulnote: der große Vollverstärker A-3 muss bei uns ziemlich hart arbeiten, ist der doch seit gut einem Jahr fester Bestandteil der Referenzanlage im LP-Hörraum. Gute Voraussetzungen also, um den neuen A-2 V2 klanglich einzuordnen.
Vollverstärker Soulnote A-2 V2
Der A-2 V2 ist auf den ersten Blick als Mitglied der illustren Soulnote-Gerätefamilie zu erkennen, die charakteristische Gestaltung der massiven Metallbehausung darf als ziemlich unverwechselbar gelten. An der Gerätefront gibt’s einen soliden harten Netzschalter und zwei Drehknöpfe, die für die Eingangswahl und die Lautstärke zuständig sind. Über der Eingangswahl signalisieren sechs kleine rote Leuchtdioden den gewählten Anschluss, ein Sieben-Segment-Display in bester Old School-Manier informiert über die in 36 Stufen wählbare Lautstärke – was sich übrigens als völlig ausreichend erwiesen hat. Rückseitig darf man sich zwischen drei symmetrischen und drei unsymmetrischen Eingängen entscheiden, Lautsprecherkabel werden per überaus solider Schraubklemmen konnektiert. Mittels zweier Schiebeschalter lassen sich Vor- und Endstufe voneinander trennen, wodurch man den A-2 V2 bei Bedarf als reine Endstufe nutzen kann. Ein zweiter Schalter erlaubt den monophonen Bi-Amping-Betrieb – wer’s denn braucht.
Soulnote-Geräte sind bekannt für ihr exklusives Mechanikkonzept, bei dem mal nicht alles bombenfest miteinander verbolzt ist, und manchen Anschlüssen und Blechen erstaunlich viele Freiheitsgrade bei der Bewegung eingeräumt werden. Weshalb zum Beispiel der Top-Vollverstärker A-3 eine – beabsichtigterweise – ziemlich klapprige Angelegenheit ist. Beim A-2 V2 ist das nur noch sehr bedingt der Fall. Augenfällig ist die zweilagige Top-Platte, die von hinten in eine Nut eingeschoben wird und lediglich auf drei Schraubenköpfen aufliegt. In diesen Zusammenhang gehören auch die drei Metallfüße des Gerätes, von denen einer (der vordere) exakt unter dem Netztrafo platziert wurde.
Und weil wir gerade den Gehäusedeckel abgenommen haben, gilt es, den Aufbau der Maschine zu bestaunen, der ziemlich anders ist als alles, was ich bis dato von Soulnote gesehen habe. Während beim großen A-3 noch zwei völlig getrennte Verstärkerzüge pro Kanal die Hauptarbeit übernehmen und in nur jeweils einem einzigen Endtransistor gipfeln, gibt es im A-2 V2 etwas, das wie eine deutlich konventionellere, aber überaus potente Gegentaktendstufe aussieht. Mit sechs bipolaren Toshiba-Leistungshalbleitern pro Kanal könnte das Gerät weitaus mehr leisten als die knapp 100 Watt an acht Ohm, die tatsächlich vorhanden sind. Auch gibt’s hier mal „richtige“ Kühlköper, die in der Lage sind, ordentliche Mengen von Wärme abzuführen und nicht nur filigrane Blechkonstruktionen wie bei den größeren Modellen.
Die Relais stammen hier nicht aus eigener Fertigung, sind aber von vorzüglicher Qualität Die Stromversorgung übernimmt ein überaus potenter Ringkernumspanner, der zu Schirmung der Elektronik vor Strahlungs- Ungemach mit MU-Metall umwickelt ist. Siebung gibt’s reichlich, verteilt auf eine Menge kleiner Elkos, die zusammen einen viel besseren Riesen-Elko bilden als ein einzelner großer. Bei den Topmodellen gönnt Soulnote sich den Luxus, die Kleinsignalabteilungen mit größeren Mengen sonderangefertigter Relais und sündteuren Folienwiderständen auszustatten. Im A-2 V2 wurde hier etwas pragmatischer (und damit günstiger) verfahren: In Sachen Widerstände gibt es „nur“ Metallfilmtypen, die immer noch ziemlich edel sind. Bei den Relais wurde ebenfalls auf das Sortiment eines anderen Anbieters zurückgegriffen – selbstverständlich auch aus dem obersten Regal, also verschleißfest und mit quasi nicht vorhandenen Übergangswiderständen.
Der Soulnote A-3 ist seit gut einem Jahr eine nicht mehr aus unserem Hörraum wegzudenkende Konstante, auch wenn wir ihn an dieser Stelle nie ausführlich vorgestellt haben (dafür aber ausführlich in einem YouTube-Video). Und so waren wir extrem gespannt, wie sich der neue A-2 gegen seinen großen Bruder schlagen würde. Tatsächlich gibt es deutlich nachvollziehbare charakterliche Unterscheide, was in Anbetracht des merklich anderen technischen Konzeptes auch nicht weiter überrascht. Hinzu gesellt sich der Umstand, dass mit einem Paar JBL L300 unlängst ein fast 50 Jahre alter Lautsprecher in unseren Hörraum eingezogen ist, der mit kuscheligen acht Ohm Nennimpedanz und gut 93 Dezibel Wirkungsgrad der Traumspielpartner für so ziemlich jeden Verstärker ist. Und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich wohl noch nie zwei Verstärker mit soviel Pegel gehört habe wie die beiden Soulnotes an diesen Trümmern. Einfache Wahrheit Nummer eins: Beim großen A-3 bekomme ich die Schutzschaltung zum Auslösen, am neuen A-2 nicht. Nicht, dass das in der Praxis für Irgendjemanden wirklich wichtig wäre, ich wollt’s aber erwähnt haben.
Ich kenne keine Verstärker, bei denen eine ungefähr halbstündige Warmlaufphase so wichtig ist wie bei Kato-Sans Konstruktionen. Sie wollen einfach nicht so recht unmittelbar nach dem Einschalten. 30 Minuten später belohnen sie die Geduld mit herausragender Plastizität, Geschmeidigkeit und Fülle. Das ist kein Testergeschwätz, sondern ein deutlich wahrnehmbares Phänomen, anhand dessen man viel über Verstärkerklang lernen kann. Auch dem A-2 V2 durfte ich dabei zuhören, wie er mein aktuelles Lieblingsalbum („You All Look The Same To Me“ von der britischen Trip- Hop-Band Archive aus dem Jahr 2001) zunächst zögerlich und unbeteiligt an die JBLs weiterreichte und zusehends immer mehr Spaß an der ungemein gelungenen Kombination aus großartigem Rhythmus, analogen Sythesizersounds und höchst geschmackvollem Songwriting fand. Die Inbrunst, mit der ein A-2 V2 in Topform den Sechzehnminüter „Again“ in die Lautsprecher zwingt, ist auch vom A-3 nur schwer einzuholen. Vielleicht verpasst er dem einen oder anderen Synthesizer-Lick noch eine Spur mehr Süße, auch fördert er das eine oder andere Mikrodetail mehr ans Tageslicht. Der A-2 V2 wirkt tatsächlich eine Spur stabiler, energischer und auf eine gewisse Art beeindruckender – das ist etwas überraschend zu nicht einmal der Hälfte des Verkaufspreises.
Mitspieler Plattenspieler:
- Thorens TD 1600 mit Ortofon MC 30 Supreme
- Thales Simplicity mit EMT JSD 6
Phonovorstärker:
- Thorens MC 1600
- EAR Phonobox
- Symphonic Line Phonostage MK 4
Lautsprecher:
- JBL L-300 und L-19
- Neuron Acoustic Majestic M
- Audes 526 On-Wall
- Davis The Stage
Zubehör:
- Netzleisten von PS Audio, Silent Wire
- Kabel von van den Hul, Silent Wire,
Gegenspieler Vorverstärker:
- Accustic Arts Tube-Preamp II
- Modrow HPA
Endstufen:
- Hypex Nilai
- Leak Stereo 20 und Stereo 50
Vollverstärker:
Gespieltes - Archive: You all look the same to me
- The Rolling Stones: Beggars Banquet
- Dire Straits: Love over Gold
- Gerry Mulligan: Live at the Village Vanguard
- Beck: Morning Phase
- Sergej Prokovjew: Romeo und Julia
- Kraftwerk: The Man-Machine (Remaster)
- Helène Grimaud: Reflection
Gemessenes: Der Frequenzgangverlauf ist linear und breitbandig bis 200kHz. Die Leistung liegt bei einer Messgrenze von 0,7% THD+N bei rund 80 Watt pro Kanal an 8 Ohm und 140 Watt pro Kanal an 4 Ohm. Bei einem Watt Dauerleistung liegt THD+N bei 0,13%. Die Werte für den Fremdspannungsabstang (-87 dB(A)) und Kanaltrennung (-83 dB(A)) sind gut. Im Dauerbetrieb bei 2x5 Watt liegt die Leistungsaufnahme bei 180 Watt.