Test Vor-/Endstufenkombi Unison Research Unico PRE v2 / DM v2
Das stimmt schon: Das Herz der im italienischen Norden, in Treviso, unweit von Venedig ansässigen Firma ist ein sanft glimmendes. Und bezahlbare Eintakter wie der „Simply Italy“ haben sich über die Jahre einen festen Platz im Herzen der audiophilen Gemeinde erarbeitet – zu Recht. Wenn der Lautsprecher passt – sprich: mit einem gesunden Wirkungsgrad und unproblematischem Impedanzverhalten gesegnet ist – dann lässt sich auch mit ein paar Watt aus einer EL34 im Eintaktbetrieb ganz ausgezeichnet leben.
Was aber, wenn der favorisierte Schallwandler ein bisschen biestiger – um nicht zu sagen: normaler – daherkommt? Dann kann man sich zum Beispiel für eines der potenteren Single-Ended-Modelle entscheiden.
In Sachen Anschlussvielfalt kann der Unico PRS v2 sich sehen lassen So ein S6 tut immerhin gut 40 Watt, damit kann man schon arbeiten. Oder aber – man schaut sich die ein bisschen im Verborgenen blühende zweite Produktlinie von Unison Research namens „Unico“ an. Dort geht’s etwas kantiger, ein bisschen bodenständiger, und vor allem mit deutlich gesteigerter Halbleiterbeteiligung zu. Die drei Vollverstärker in der Familie leisten zwischen 80 und 150 Watt an acht Ohm und sind Hybridkonstruktionen, will sagen: In der Spannungsverstärkung geben Röhren den Ton an, den Strom liefern Transistoren. Gleiches gilt auch, und damit kommen wir endlich zum Thema, für die frisch renovierten Topmodelle Unico PRE v2 und DM v2, bei denen es sich um eine üppig ausgestattete Vorstufe und eine potente Stereoendstufe handelt. Der Unico PRE v2 ist für 5900 Euro zu erstehen, die Endstufe für deren 8500. Die technischen Unterschiede zu den Vorgängermodellen (gleiche Bezeichnung, nur ohne „v2“) stecken im Detail, der optische Wandel hingegen ist unübersehbar. Holz gibt’s bei den neuen dicken Unicos nur noch in Form feiner Walnuss-Inlays rund um die Power-Schalter, sonst dominiert reine Metallbauweise. Die Fronten werden genre-korrekt aus dickem Massivaluminium gespant, die aufwändig gebogenen und vielfach geschlitzten einteiligen Gehäuseprofile müssen sich mit erheblich weniger Materialeinsatz zufriedengeben. Gewicht kommt dabei allemal zusammen: 11 Kilo für die Vorstufe und 33 für die Endstufe sind eine Ansage, die es bei der Planung der Geräteunterbringung zu berücksichtigen gilt. Übrigens finde ich, dass „Amplificatori Finali“ irgendwie erheblich besser klingt als das schnöde deutsche Wort „Endstufe“. Der Vorverstärker ist, wie der Amplificatori Finali, im schwarzen oder champagnerfarbenen Outfit lieferbar. Bei Ersterem besteht keine Verwechslungsgefahr, der Ton geriet merklich heller als der beim japanischen Mitbewerb, der diese Farbgebung praktisch für sich gepachtet hat.
DIe Endstufe ist eine potente Maschine mit 33 Kilogramm Gewicht Ansonsten verfügt der PRE v2 über ein typisches Vorverstärkergesicht: links ein schöner großer Drehknopf für die Eingangswahl, rechts einer für die Lautstärke, in der Mitte ein dezentes Display, ganz rechts der erwähnte in Holz eingefasste Netzschalter. Hüben wie drüben sind das übrigens „harte“ Netzschalter, also braucht’s kein Gefummel auf der Geräterückseite – löblich. Die Geräterückseite offenbart reichlich Anschlussmöglichkeiten: Es gibt vier analoge Eingänge, von denen man drei entweder symmetrisch oder asymmetrisch betreiben kann, drei Hauptausgänge (einer symmetrisch, zwei unsymmetrisch), eine Effektgeräteschleife zum Beispiel für einen DSP und einen Subwoofer-Ausgang, der so ziemlich das Gleiche tut wie die Hauptausgänge. Hinzu gesellen sich fünf Digitaleingänge, die den eingebauten D/A-Wandler speisen, und zwei Cinchbuchsen für das eingebaute Phonoteil. Alles in allem eine potente Schaltzentrale für ambitionierte Anwendungen.
Das schön kontrastreiche schwarz-weiße Display informiert im Normalbetrieb gleichzeitig über den gewählten Eingang, die jeweilige Anschlussart (Cinch oder XLR) und den eingestellten Pegel. Der Lautstärkesteller arbeitet elektronisch und vollkommen geräuschfrei, was ja beileibe nicht selbstverständlich ist. Im Menü lassen sich Dinge konfigurieren wie das Verhalten der Effektgeräteschleife, die Auswahl der Anschlüsse für die Analogeingänge, der Heimkino-Durchschleifbetrieb und das Verhalten des Displays.
Was erstaunlicherweise nicht geht: das Verstellen der Kanalbalance, die Zuweisung von Namen für die Eingänge und ein individuelles Vorpegeln ebenjener. Das wäre vielleicht etwas für ein potenzielles Software-Update, denn die technischen Möglichkeiten für diese Funktionen sind definitiv vorhanden.
Von derartigen Nickeligkeiten abgesehen, fasst sich die Maschine ausgezeichnet an, der Pegelsteller läuft leicht und vertrauenerweckend, nichts knackt, nichts zickt. Sogar beim Verdrehen der Lautstärke herrscht Ruhe aus den Lautsprechern, was man beileibe nicht von allen elektronischen Pegelstellern sagen kann.
Die Endstufe Unico DM v2 ist noch ein anderes Kaliber. Was schon an den 33 Kilo Nettogewicht liegt und einer mit 21 Zentimetern deutlich größeren Bauhöhe. Und die Maschine ist kein Kind von Traurigkeit: Die angegebenen Leistungsdaten von 220 Watt an acht und 340 Watt an vier Ohm können wir so bestätigen – ein beruhigendes „Polster“ für alle Lebenslagen. Wem das immer noch nicht reicht: Man kann beide Kanäle brücken und sich dann an 650 Watt erfreuen, bevor die Schutzschaltung dem Spuk ein Ende bereitet. In Sachen Bedienung und Anschlussvielfalt gibt’s nicht allzu viel zu sagen: Vorne gibt’s neben dem Netzschalter einen Standby-Taster und einen Umschalter für die Cinch- und XLR-Eingänge, hinten fallen vor allem die doppelt ausgeführten Lautsprecherterminals auf. Einzeln schaltbar sind diese aber nicht.
Kommen wir zur Technik der zweifellos beeindruckenden Kombi: In beiden Geräten übernimmt eine Doppeltriode pro Kanal das Gros der Spannungsverstärkung. In der Vorstufe ist’s eine 12AX7 / ECC83 von Gold Lion, in der Endstufe eine 12AU7 / ECC82. Das Design ist dreistufig, auf die Röhren folgen also zwei teils diskrete, teils mit integrierten OPs realisierte Sektionen. Das Ganze residiert auf einer Platine, die knapp die Hälfte der Grundfläche des Gerätes beansprucht. „Huckepack“ sitzt das Digital-/Analogwandlermodul, das mit dem ESS-Wandlerchip ES9018K2M realisiert wurde und so ziemlich alles verdauen kann, was die Welt an digitalen Audioformaten im Angebot hat. Dafür gibt’s zwei koaxiale und zwei optische S/PDIF-Eingänge und einen USB-Anschluss.
Ebenfalls modular wurde die Phonosektion realisiert, die in Form zweier kleiner Platinen direkt an der Rückwand untergebracht wurde. Dabei handelt es sich um eine eher schlichte Chip-Lösung, die sowohl MM- als auch MC-Betrieb erlaubt. MC-Abtaster werden generell mit 100 Ohm abgeschlossen, MMs normgerecht mit 47 Kiloohm. Die Verstärkung ist in beiden Fällen zweistufig praxisgerecht verstellbar.
Zudem können wir uns über ein aufwändiges und vielfach geregeltes Netzteil freuen, dessen Trafo auch einem ordentlichen Vollverstärker gut zu Gesicht stehen würde. Nicht jedoch der hauseigenen Endstufe, die zu diesem Zweck gleich zwei 750-VA-Ringkerne (vergossen und abgeschirmt) ins Rennen schickt. Sie sind der Beginn eines konsequenten Doppelmonoaufbaus, der in zweimal sechs Mosfets gipfelt, die jeweils auf einem massiven Kühlkörper angeordnet sind. Jene sind innerhalb des Gehäuses untergebracht, also nix is mit scharfen Kanten. Auch die Endstufenschaltung arbeitet dreistufig mit den besagten Doppeltrioden im Eingang. Etwas Besonderes ist die Ausgangskonfiguration, die der Hersteller „A.S.H.A“ nennt, was für „Analog Synchronized Hybrid Amplification“ steht. Dabei handelt es sich um eine besondere Art und Weise, die Ausgangsstufe anzusteuern, bei der die positive Signalhälfte das Heft in der Hand hält und die negative Halbwelle „nachgeführt“ wird. Das erinnert ein bisschen an das, was Nelson Pass einst mit seiner „Aleph“-Topologie eingeführt hat, aber nicht so ganz: A.S.H.A funktioniert auch im Class-AB-Betrieb, was der DM v2 ihre erkleckliche Ausgangsleistung ermöglicht. Warm wird sie trotzdem, aber moderat: Auch 90 Watt Ruheverlustleistung müssen irgendwo bleiben.
In der Praxis gibt sich das Duo vollkommen unproblematisch. Wer klanglich das Maximum herausholen will, der gönnt den Verstärkern nach dem Einschalten ein Viertelstündchen Aufwärmphase, dann sind beide Geräte voll da. Wenn schon, denn schon, also durften als Erstes meine unverwüstlichen JBL L300 an dem italienischen Duo zeigen, was Sache ist. Und wer meint, dass ein solches Kaliber für eine so leistungsfähige Endstufe ein gewaltiger Mismatch sein sollte, der irrt: Das geht wie der Teufel. Es ist jetzt nicht so, dass der 15er Alnico-Bass die Leistung der Unicos wirklich bräuchte, aber es macht einen tierischen Spaß, sich damit „Tool“ mit völlig abstrusem Pegel um die Ohren zu hauen. Was sogar bei solcherlei Unvernunft auffällt: Die Unicos sind beileibe keine einschmeichelnden Schmuseverstärker, was man eingedenk der Röhreneingangsstufe vielleicht vermuten könnte, sondern pfeilschnelle Ausdruckskünstler. Es tönt mit beeindruckender Übersicht, aufgeräumt und blitzblank. Der Bass der JBLs, ohnehin kein Kind von Traurigkeit, poltert bei kleinen Pegeln vielleicht ein kleines bisschen zu viel, was hier aber nicht verwundert: Die Endstufe wird unter diesen Voraussetzungen kaum wach. Tieftonal ungleich disziplinierter geht’s zur Sache, wenn die Manger C2 den lautsprechenden Part übernimmt. Hier hat der Bass eine traumhaft stabile Kontur und ordnet sich brav dem großen Ganzen unter. Die fantastischen Abbildungsfähigkeiten des breitbandigen Manger-Wandlers kommen hier bestens zur Geltung, die exzellente Produktion des letzten Tool-Albums verteilt das Geschehen überragend weiträumig und bestens separiert. Stimme? Aber gerne doch: Wir ziehen Emma Ruth Rundles 2021er Großtat „Engine Of Hell“ zu Rate und freuen uns über einen nuancierten, sonoren Klaviersound und eine Stimme, die Gänsehaut pur serviert: mal brüchig, mal zart, immer intim und emotional – großartig.
All das lieferte bislang die von einem Ortofon MC-X50 angesteuerte bordeigene Phonovorstufe. Dass jene noch nicht das Ende der Fahnenstange darstellt, bewies ein Quercheck mit der großartigen Phasemation EA-1500, die allerdings alleine rund so viel kostet wie die komplette Unison-Kombi. Zumindest als Startpunkt ist die integrierte Phonolösung des Unico PRE v2 völlig in Ordnung. Letztlich durften sogar wieder einmal der gute Johnny Cash und seine American Recordings ran. Der durchweg positive Eindruck, den die großen Unison-Verstärker bis dahin hinterlassen hatten, setzte sich hier nahtlos fort: emotional, ausdrucksstark und mit mustergültiger Transparenz schlug uns das Spätwerk des Mannes in seinen Bann. Gewiss, fast 15000 Euro für eine Verstärkerkombi sind viel Geld, diese hier allerdings versüßt die Investition jedes einzelnen davon nachhaltig.
Gegenspieler - Vorstufe: Yamaha C4
- Endstufe: Yamaha M4
Mitspieler
Gespieltes - Tool – Fear Inoculum
- Emma Ruth Rundle – Engine Of Hell
- Johnny Cash – American Recordings II, III, IV
- Chet Baker – Chet
Gemessenes
Der Hochpegelteil der Vorstufe liefert einen schnurgeraden Frequenzgang bis etwa 70 Kilohertz, die Kanalabweichungen bewegen sich im Bereich von maximal 0,3 Dezibel – das ist unproblematisch. Der Fremdspannungsabstand bei 775 Millivolt an Ein- und Ausgang beträgt ausgezeichnete 88,7 Dezibel, die Kanaltrennung 87,5 Dezibel(A). Der Klirrfaktor beträgt erfreulich geringe 0,024 Prozent. Die maximale Ausgangsspannung beträgt gut 6 Volt. Das Gerät verbraucht knapp 50 Watt Strom. Das Vorschalten der Phonovorstufe verschlechtert die Messdaten nur um wenige Dezibel, auch der Klirr bleibt fast unverändert. Die Endstufe ist noch breitbandiger, hier liegt der -3-Dezibel-Punkt jenseits von 200 Kilohertz. An acht Ohm bei einem Watt beträgt der Fremdspannungsabstand sehr gute 88,9 Dezibel(A), die Kanaltrennung 81 Dezibel(A) und die Verzerrungen 0,08 Prozent. Auch hier werden die Werte an vier Ohm nur unwesentlich schlechter. Die Dauerausgangsleistung des Gerätes an acht Ohm beträgt 224 Watt, an vier Ohm 351 Watt. Mit knapp 90 Watt hält sich die Leerlaufstromaufnahme in Grenzen.