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Einzeltest > Vorverstärker > 28.09.2026

Rücksturz

Marco Manunta ist zweifellos eine der schillerndsten Persönlichkeiten in der Audio-Entwicklerszene. Kaum jemand verfügt über ein so breites elektronisches Wissensspektrum wie er, was immer wieder zu sehr erstaunlichen Gerätschaften führt.

Vorverstärker Manunta Classic Stereophonic Preamplifier

Überblick 
Bekannt geworden ist Marco Manunta mit den schnuckeligen M2Tech-Komponenten, seit geraumer Zeit veröffentlicht er aber immer mehr Maschinen unter seinem eigenen Namen. Auch da gibt’s äußerst faszinierende Gerätschaften wie die aktive Frequenzweiche „Mitchell“, die das analoge Konzept auf geringstmöglichem Raum auf die Spitze treibt und damit absolut beeindruckende Ergebnisse erzielt (wir berichteten). Auch bei unserem heutigen Probanden geht’s (bis auf eine kleine Ausnahme) um analoge Technik. Der Vorverstärker „Classic Stereophonic Preamplifier“ ist genau das, was die Typenbezeichnung vermuten lässt – inklusive einer vollwertigen MM- und MC-tauglichen Phonovorstufe, die, soviel schon mal vorweg, ein echter Knaller ist. Es handelt sich dabei um das zweite Gerät der „Classic“-Baureihe, das erste war der „Classic Integrated Amplifier“, den wir auch schon bei uns zu Gast hatten. Besagte „kleine Ausnahme“ betrifft nicht die Signalverarbeitung im Gerät, sondern seine Steuerbarkeit: Es gibt nämlich ein rückseitig durch einen „Bürzel“ auf sich aufmerksam machende „Control Interface“, über das sich das Gerät drahtlos per App steuern lässt. Ob man das braucht – eine Infrarotfernbedienung liegt ohnehin bei – sei dahingestellt, eine allgemeine „App-Müdigkeit“ ist in der Welt ja ohnehin festzustellen. Das Schöne am „Control Interface“ des Manunta ist: Es lässt sich nach alter Väter Sitte per Schiebeschalter abschalten. Und ihr seht mir bestimmt nach, dass ich während des Testzeitraumes diesen Schalter nicht von der „off“-Position wegbewegt habe. Ansonsten gibt sich der Classic Stereophonic Preamplifier in der Tat klassisch. Die Gerätefront wird von einem runden Drehknopf links und einem solchen rechts dominiert. Der linke schaltet zwischen den insgesamt sechs Eingängen um, der rechte steckt auf dem Lautstärkepoti. Mittig gibt’s einen harten Netzschalter, zwei kleine Drehknöpfe erlauben eine Balance- Einstellung und die Inbetriebnahme der „EQ-Loop“. Das ist das, was früher einmal „Tape-Schleife“ hieß. Bleiben noch zwei kleine Drucktaster ganz außen, die auf Standby schalten und für die Muting- Funktion zuständig sind.  

Anschlüsse 
Rückseitig finden sich vier Eingänge in Cinch- und zwei im XLR-Format. Ausgänge gibt’s ebenfalls symmetrisch und unsymmetrisch, hinzu gesellt sich besagte Cinch-Tape-Schleife.


Ringkerntrafo mit reichlich Siebelkos, diskrete kanalgetrennte Spannungsregelung: So geht Stromversorgung
Der Phonoeingang – das ist einer von den vier unsymmetrischen – lässt sich per Schiebeschalter zwischen MM- und MC-Betrieb umschalten, die Eingangsimpedanz für MC-Abtaster wird per Potentiometer zwischen zehn und 1000 Ohm eingestellt. Die 100-Ohm-Position ist etwa bei elf Uhr angesiedelt, womit sich die meisten Tonabnehmer am wohlsten fühlen. Nach dem Entfernen des üppig schweren, schwarz pulverbeschichteten Gehäusedeckels kommt ein überraschend komplexer und ausladender elektronischer Aufbau zum Vorschein. Wieder einmal hat Marco Manunta hier nicht gekleckert, sondern so richtig geklotzt. Weshalb ihm der avisierte Verkaufspreis des Gerätes in Höhe von 7.500 Euro auch nachgesehen sei – hier gibt’s was fürs Geld. Beginnen wir mit der Stromversorgung. Die bezieht ihr Rohmaterial aus einem gekapselten Ringkerntrafo, der vorne links im Gehäuse sitzt. Nach Gleichrichtung und Siebung mittels einer Vielzahl von parallelgeschalteten Elkos sorgt eine ziemlich aufwändige diskret aufgebaute Regelschaltung für saubere Betriebsspannungen, und das kanalgetrennt. Die eigentliche Verstärkerschaltung des Classic Stereo Preamplifier ist ebenfalls eine diskrete Lösung, hübsch akkurat mit „Line Preamplifier“ auf der Platine markiert. Hier sorgen zwei ordentlich potente bipolare Leistungstransistoren für die Ansteuerung von zwei Lundahl- Transformatoren. Die besorgen dann auch gleich die symmetrischen Ausgangssignale. Die Trafos kenne ich übrigens gut, die erledigen nämlich die erforderliche Phasendrehung und die symmetrischen Ausgänge meiner Selbstbau-Röhrenphonovorstufe für elektrooptische DS-Audio-Abtaster und ich kann aus Erfahrung sagen: Die Dinger sind klanglich praktisch transparent und erledigen ihren Job mit Bravour. Apropos Phonovorstufe: Die nimmt im Manunta den kompletten rechten Rand der Hauptplatine ein. Sowohl der MC-Vorverstärker als auch der eigentliche Entzerrer (als der MM-Teil) sind wieder einmal mit einer Vielzahl von Einzeltransistoren diskret realisiert. Und zwar mit mindestens vier parallelgeschalteten rauscharmen Halbleitern am Eingang. Die recht komplexe Schaltung ist weit von einer Alibilösung entfernt und bewies ihre Qualitäten im Hörtest nachdrücklich.   

Damit sind wir in Sachen Elektronik allerdings noch lange nicht fertig. Die Balance- und Mute-Funktionalität wird im Classic Stereo Preamplifier mittels elektronischer Schalter und Festwiderständen realisiert, einer auf ewig verschleißfreien Lösung. Eine Vielzahl von Miniaturrelais besorgt das Umschalten der diversen Eingangskonfigurationen , die Lautstärkeregelung besorgt ein klassisches blaues Motorpoti vom Spezialisten ALPS. Manunta legt Wert darauf, ausschließlich bedrahtete Bauteile zu verwenden, was den Austausch der Komponenten im (unwahrscheinlichen ) Fall der Fälle deutlich erleichtert. Das macht er so konsequent wie möglich, so ist auch der steuernde Mikrocontroller einer im guten alten 40-poligen „Dual In Line“-Gehäuse, wie es schon seit vielen Jahren aus der Mode ist. Einzig beim „Control Interface“ ließ sich moderne SMD-Technik nicht verhindern, aber das separate Modul läuft auch ein bisschen außer Konkurrenz. Ach ja: Den eingebauten Kopfhörerverstärker wollen wir nicht unterschlagen. Wiederum eine sehr schöne diskret aufgebaute Lösung, die mit so ziemlich jedem Hörer zurechtkommen sollte. Details gäb’s noch viel zu erwähnen, aber ich will eure Belastbarkeit nicht überstrapazieren, weshalb der Moment gekommen ist, den massiven Deckel wieder zu montieren und den Manunta seinen Job machen zu lassen. Dafür lässt er sich nach der Inbetriebnahme gehörig viel Zeit, die Einschaltverzögerung nimmt ihre Sache nämlich ziemlich ernst.   

Klang 
Der einzig sinnvoll verfügbare Gegner für den Classic Stereo Preamplifier war mein guter alter Yamaha C4, der seit geraumer Zeit den Taktstock im Hörraum schwingt. Parallelen zwischen den beiden Geräten sind durchaus da, sowohl in Sachen Ausstattung als auch Klang. Beide tönen betont geschmeidig und ein bisschen „wohlig“, der Yamaha noch mehr als sein moderner, Kollege. Wer modernen holografischen kristallklaren Sound sucht, ist bei beiden Maschinen nicht ganz an der richtigen Adresse. Beide liegen ein bisschen auf der freundlichen Seite. Im Bass liegt der Manunta vorne, er spielt einfach präziser und aufgeräumter in den tiefen Lagen. Wie schon angedeutet, macht der eingebaute Phonozweig des Classic Stereo Preamplifi er einen hervorragenden Eindruck. Die Qualitäten unseres aktuellen Lieblings- MCs – des Ortofon MC X50 – reichte er so unverblümt und ungebremst durch, dass Vinyl zum echten Erlebnis wird. All die selbstverständliche Leichtigkeit und Stabilität, die der Abtaster am Sperling L-5 zu liefern imstande ist – alles da. Nach längerer Zeit habe ich mich mal wieder an die Mutter aller modernen Rockalben – Tools „Fear Inoculum“ herangetraut – und wurde nicht enttäuscht: groß, mächtig, episch und markerschütternd rollten die komplexen Figuren durch den Raum, mit perfekt ausbalancierter Energie. Das geht auch mit dezenterem Material, wie Rabih Abou Khalil einmal mehr bewies: Der dürre Wüsten-Jazz hat Durchsetzungsvermögen, Inbrunst und Kraft. Zu meckern habe ich an dem Manunta Classic Preamplifier gar nichts. Vielleicht finde ich ihn optisch ein bisschen zu unspektakulär, aber das ist natürlich Geschmackssache. Seinen Job jedenfalls macht das Gerät ganz ausgezeichnet.  

Manunta Classic Stereo Preamplifier 
  •  Preis ca. 7.500 Euro 
  •  Vertrieb audioNEXT, Essen 
  •  Telefon 0201 79939404 
  •  Internet www.audiodomain.de
  •  Garantie 2 Jahre
  •  B x H x T 420 x 90 x 313 mm 
  •  Gewicht ca. 10 kg  

Mitspieler 

Gegenspieler 
  • Vorstufen:  Yamaha C4  

Gespieltes 
  • Tool: Fear Innoculum 
  • Rabih Abou Khalil: Blue Camel
  • Edena Gardens: Quintessence 
  • Hannes Wader: 7 Lieder  


Fazit

Prall ausgestatteter, exzellent klingender Vorverstärker mit superbem Phonoteil.

KategorieVorverstärker
ProduktClassic Stereo Preamplifier
HerstellerManunta
Preis7500 Euro
Getestet vonHolger Barske
Vorheriger Test

Einflussreich - Röhrenvorverstärker Air Tight ATC-7

Logo LP:Magazin

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Holger Barske
Redakteur / Tester

Holger Barske


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