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Einzeltest > MC-Übertrager > 21.09.2026

Faktor zehn

Nun kann man darüber streiten, ob „mc transformer“ eine besonders originelle Typenbezeichnung für einen MC-Übertrager ist – muss man aber nicht. Denn der Name ist hier Programm, sprich: purer Pragmatismus.

MC-Übertrager Pure Dynamics mc transformer

Generelles 
Oh, oh, das wird nicht ganz einfach. Kleines silbernes Kästchen, vier Buchsen – sonst nichts. Das macht erst einmal nicht den Eindruck, als ob man darüber eine ausufernde Geschichte erzählen könnte – und doch: MC-Übertrager sind eine ganz besondere Spezies unter den HiFi-Komponenten. Eine, die sich hartnäckig weigert, ins Regal mit den elektrotechnischen Kuriositäten der Vergangenheit zu wandern. MC-Übertrager stammen aus einer Zeit, als es noch ausgesprochen schwierig war, winzige Signale wie die aus einem MC-Tonabnehmer (Größenordnung: 100-500 Mikrovolt) so zu verstärken, dass Rauschen und Verzerrungen nicht zu einem gewaltigen Problem wurden. Richtig, das waren das Röhrenzeitalter und die Anfänge der Halbleitertechnik. Heutzutage ist das Thema, von der rein elektronischen Seite her, vollkommen gegessen: Chips für ein paar Cent erledigen die rausch- und klirrarme Verstärkung von solchen Signalen mit links. Was aber, wenn ich meine klanglich großartige Röhren-Phono, die leider nur für MM-Abtaster mit rund zehnmal so hohem Ausgangspegel geeignet ist, nicht aufs Altenteil schieben will? Dann muss eine Möglichkeit her, das schwächliche MC-Signal möglichst unverfälscht auf das passende Niveau zu heben. Hier kommt der MC-Übertrager ins Spiel. Prinzipiell ein Transformator (respektive: deren zwei für Stereobetrieb), der eine Spannungsverstärkung von zehn bis 30 leisten kann, ohne zusätzliches Rauschen zu erzeugen. Unser heutiger Proband tut genau das: Er verstärkt MC-Signale um den Faktor zehn und schafft damit optimale Arbeitsbedingungen für eine nachfolgende MM-taugliche Phonovorstufe.  

Der Proband 

Er stammt vom kleinen, aber feinen österreichischen Hersteller Pure Dynamics und kostet 1.200 Euro.


Ausnahmsweise aushäusig: die ganz besondere Hörtestumgebung
Kein ausgesprochenes Schnäppchen, in Anbetracht des von solchen Komponenten erreichten Preisniveaus in heutigen Zeiten aber immer noch in der Vernunftzone angesiedelt. Sofern es so etwas bei unserem Hobby überhaupt gibt. Pure Dynamics? Da klingelt doch was? Aber ja: Die Österreicher um Georg Ruppert erfreuen uns alle paar Jahre mit cleveren und exzellent klingenden Komponenten. Nach wie vor erinnere ich mich gerne an die herausragenden „Class-AMonos“ (ja, die heißen so), die wir in Heft 2/2023 vorgestellt haben. Der „mc transformer“ wirkt dagegen deutlich unspektakulärer, hat aber doch ein paar Dinge zu bieten, die man auf den ersten Blick nicht sieht. Und die betreffen die Anpassung an den jeweiligen Anwendungsfall. Wir erinnern uns: MM-Phonoeingänge verfügen standardmäßig über eine Eingangsimpedanz von 47 Kiloohm. Wenn man dort einen 1:10-Übertrager vorschaltet, dann „sieht“ der angeschlossene Abtaster eine Lastimpedanz von 470 Ohm. Was daran liegt, dass das Übersetzungsverhältnis des Trafos quadratisch ist…. Okay, okay, ich hör schon auf, das haben wir vermutlich oft genug dargelegt. Wenn die 470 Ohm nicht das Richtige für den Abtaster sind, dann muss man auf der Sekundärseite des Trafos Widerstände parallelschalten. Dadurch kommt man mit der Abschlussimpedanz weiter herunter. Man verliert allerdings auch Pegel, aber das gehört dazu. Das mit den parallelen Impedanzen geht beim Pure Dynamics-Übertrager höchst flexibel, dafür muss man das Gerät allerdings öffnen. Nach dem Entfernen von vier Schrauben auf der Rückwand kann man den als Gehäuse fungierenden Aluminiumtubus samt Frontplatte komplett entfernen und hat die Hauptplatine in der Hand. Darauf befinden sich – nebst den Übertragern – eine Reihe von acht DIP-Schaltern, über die die gewünschte Zusatzimpedanz eingestellt wird. Dabei gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten – genau gesagt: deren 256 – die alle im Handbuch detailliert aufgelistet sind. Damit lässt sich ein Bereich von unter 30 bis 488 Ohm abdecken. Für so ziemlich alle infrage kommenden MCs stimmt der Bereich perfekt.   

Technik 
Weil wir gerade vor dem geöffneten Gerät sitzen: Die beiden Übertrager stecken in schirmenden Kapseln aus MU-Metall (MU = magnetisch undurchlässig), was in der Praxis sehr gut funktioniert. Der Pure Dynamics-Übertrager reagiert ausgesprochen unkritisch auf seine Positionierung, was ein durchaus seltenes Feature ist. Die Trafos selbst stammen aus renommierter deutscher Fertigung. Deshalb gibt’s ausgezeichnete Linearität und Serienkonstanz, aber keinen Silberdraht. Was ich für völlig in Ordnung halte. Was noch der Erwähnung wert ist: Das Gerät arbeitet vollkommen symmetrisch. Es gibt nirgends einen Massebezug, außer bei der Erdungsklemme, die nur das Gehäusepotenzial führt. Und sonst? Vier gut, fest mit der Rückwand verschraubte Cinchbuchsen, die sich auch von schwereren Kabelkalibern nicht aus der Ruhe bringen lassen. Und zudem einen symmetrischen Betrieb ermöglichen, weil nicht mit der Gehäusemasse verbunden.  

Klang 
Der Pure Dynamics-Übertrager musste sich in ungewohnter Umgebung beweisen, er fuhr nämlich mit nach Leipzig zu Silvercore-Eigner Christof Kraus. Was nicht nur den Vorteil des Vorhamndenseins eines potenten Horn-Setups hatte, sondern auch diverse passende Übertrager zum Vergleich. Und er schlug sich mehr als wacker, der kleine Österreicher: Von einem modifizierten, mit 220 Ohm abgeschlossenen Denon DL-103R angesteuert, gefiel das Kästchen mit seiner sehr linearen und flüssigen Gangart. Als Lieblingsplatte unter meinen mitgebrachten stellte sich schnell die großartige „Make The Road By Walking“ der hochtalentierten Künstleransammlung „Menahan Street Band“ heraus. Der Pure Dynamics-Übertrager kam mit den perfekt sitzenden Bläser- Arrangements bestens zurecht, das Blech strahlte und hatte Kraft, wirkte aber nie übertrieben. Das Ganze hatte genau den lässigen Groove, den ein Album wie dieses braucht. Wer noch etwas mehr Ordnung, Druck und Tiefgang will, dem kann mit der Silberversion des „Wahnfried“-Übertragers von Silvercore (Test in LP 6/25) geholfen werden, aber der kostet auch ein Mehrfaches des Pure Dynamics. Jener eignet sich perfekt, um dem Zuhörer das Prinzip MC-Übertrager nahezubringen: Er klingt beinahe eigenschaftslos und tut einfach das, was er soll: nämlich „lauter machen“. Und das kann er ganz ausgezeichnet.  

Pure Dynamics mc transformer 
  •  Preis ca. 1.200 Euro 
  •  Vertrieb Pure Dynamics, Wildon, Österreich 
  •  Telefon +43 6505336811 
  •  Internet www.puredynamics.com
  •  Garantie 2 Jahre
  •   B x H x T 200 x 150 x 50 m 
  •  Gewicht ca. 0,7 kg
  •  Ausführungen schwarz / Alu silberfarben  

Mitspieler 
  • Plattenspieler:  DIY mit Schick 12“ 
  • Phonovorstufen:  Silvercore Protoyp 
  • Endverstärker:  Silvercore 212 
  • Lautsprecher:  Silvercore 5-Wege-Teilaktivsystem   

Gegenspieler 
  • MC-Übertrager:  Silvercore „Wahnfried“  

Gespieltes 
  • Menahan Street Band: Make The Road By Walking 
  • Edena Gardens: Quintessence 
  • Paul Desmond / Jim Hall: Easy Living 
  • Jim Hall / Ron Carter: Alone Together  


Fazit

So kennen wir das von Pure Dynamics: feine, unaufdringliche Lösungen, die auch hohe klangliche Ansprüche befriedigen. Der „mc transformer“ tut genau das mit Bravour.

KategorieMC-Übertrager
Produktmc transformer
HerstellerPure Dynamics
Preis1200 Euro
Getestet vonHolger Barske
Vorheriger Test

Einflussreich - Röhrenvorverstärker Air Tight ATC-7

Logo LP:Magazin

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Holger Barske
Redakteur / Tester

Holger Barske


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