Es war doch klar, dass auch TAD irgendwann die Excalibur Tonabnehmer Serie erweitern würde. Das Midnight Blue ist nun der erste Schritt in diese Richtung und es ist ein richtiger.
MC-Tonabnehmer Excalibur Midnight Blue
Die Ursprungsidee für die Entwicklung der Excalibur Linie war, erschwingliche Tonabnehmer mit jeweils exzellenter Performance nicht zuletzt auch für die Rega Plattenspieler anbieten zu können. So entstanden Excalibur Green, Red, Blue, Black, Gold und Platinum in aufsteigender Hierarchie. Die Gehäuse wurden von Helmut Thiele, den ich hier nicht weiter vorstellen muss, entworfen. Er bekam die Generatoren und Gewichtsvorgaben und fing an, sich über sinnvolle Materialien und Proportionen Gedanken zu machen. Und obwohl er für die neuen Modelle nicht mehr verantwortlich zeichnet, will ich euch etwas aus meinem sehr informativen Gespräch mit ihm erzählen. Sein Auftrag war es, passende Gehäuse für die von Excel gelieferten Generatoren zu entwickeln. Das bedeutete für ihn, ein möglichst resonanzarmes Design zu finden, eines das die von der Nadel aufgepickten Signale nicht verstärkt, sondern absorbiert bzw. weiter leitet. Dabei unterstütze ihn eine Entwicklung, die er zuvor gemacht hatte. Und zwar hatte er ein Gerät für die sogenannte Leckortung entwickelt. Damit spüren Fachleute sogenannte Lecks, also Wasserein- oder Austritte, mit Hilfe eines Sensors auf. Eines dieser Geräte nahm Thiele für sich. Damit kann er alle Resonanzen, die bei der Schallplattenabtastung auftreten demonstrieren. Eine seiner Maßnahmen für die Excalibur-Gehäuse war daher eine Verstrebung im Frontbereich. Warum ich das erzähle? Um die Komplexität einer Tonabnehmerentwicklung zu beleuchten.
Neue Wege
Das Midnight Blue markiert nun eine Abkehr vom Ursprungsdesign und von der Idee, erschwingliche Tonabnehmer anbieten zu wollen, hin zu deutlich teureren Exemplaren. Davon ist das Blue das Erste, ein Einstieg sozusagen. Dieser Weg ist nur logisch und sinnvoll und das nicht nur, weil es praktisch jeder Hersteller so macht. HiFi ist ja aus den Wohnzimmern weitgehend verschwunden und hat sich im lukrativen Spitzensegment in einer Art High-End-Blase eingerichtet. Will man mit Tonabnehmern Geld verdienen, und heißt nicht Ortofon oder Audio Technica, führt kein Weg an einer derartigen Entwicklung vorbei. Und noch ist das Blue mit seinem Preis unter 2.000 Euro ja irgendwo erschwinglich.
Das Entwicklungsland …
… ist Deutschland. Aber natürlich wissen wir - dafür genügt ein Blick auf den Generator des Midnight Blue - dass die zugrunde liegenden Generatoren in Japan bei Excel Sound hergestellt werden. Das ist ja bei der sehr überschaubaren Zahl an Herstellern hochwertiger Generatoren auch keine wirkliche Überraschung. Das Gehäuse dafür ist von TAD komplett neu entwickelt worden, von wem, habe ich nicht erfahren. Es wird aus Delrin, besser bekannt als POM gefertigt. Der Hersteller DuPont sagt über das Material, es sei das steifste unverstärkte technische Polymer auf dem Markt. Gebaut werden daraus unter anderem Zahnräder, Komponenten von Sicherheitsrückhalte-, Tür- und Fördersystemen, Geräte zur medizinischen Verabreichung, Skibindungen oder Reißverschlüsse. Da passt doch auch so ein Tonabnehmergenerator hervorragend hinein. Das Design setzt auf Wände unterschiedlicher Form und Stärke, damit unterbindet man stehende Wellen schon einmal sicher. Paula Knorn von TAD schrieb mir dazu:“Die Abkehr vom bisherigen Gehäuse war nötig, da das Innenleben nicht in ein bisheriges Gehäuse gepasst hätte. Ebenso musste eine Änderung vom Resonanzkörper her.“ Über den weiteren inneren Aufbau, auch ob der Generator eventuell kryogenisiert wurde, gibt es keine Informationen.
Feine Details
Wie schon erwähnt kann der Generator mit seinem Bornadelträger,
Hier kann man die unterschiedlich starken und unterschiedlich geformten Gehäusewände gut erkennen. Stehende Wellen haben hier wenig Chancen dem Alnico Magneten und seinem natürlichen Abtastdiamanten mit Micro Ridge Schliff seine Herkunft nicht verleugnen, und das muss er auch gar nicht. Dazu Paula Knorn: “Es handelt sich nicht um ein einfaches Standardmodell (von Excel Sound. Anm. vom Autor). Die Generatorarchitektur wurde optimiert, abgestimmt auf den Bor-Nadelträger und Microridge-Diamanten für mehr Balance, Raumtiefe und Neutralität.“ Sie fügte noch hinzu, dass sie die Produktion der Tonabnehmer mit ihren drei Hauptansprechpartnern abspricht, wer die sind, bleibt Firmengeheimnis. Und abschließend schrieb sie:“Ziel der Erweiterung der Excalibur Serie war es, einen kompletten Neuentwurf zu wagen. Wir haben zwei Jahre an den Samples gearbeitet, bis wir zufrieden waren – somit auch der neue Body, somit auch die geänderten Materialien.“ Mit seiner Spulenimpedanz von 7,5 Ohm und der Ausgangsspannung von 0,5 mV sowie seiner mittleren Nadelnachgiebigkeit 10 x 10 - 6 cm/dyne ist das Midnight Blue für die meisten Tonarme und Phonovorstufen sehr gut geeignet. Und mit der gewünschten Abschlussimpedanz von >100 Ohm ist es ziemlich ideal für meinen Air Tight ATH3-S Übertrager geeignet.
Etwas Persönliches Ich muss mal eben meckern. Nicht selten bekommen wir uneingespielte Gerätschaften, was unser Timing durcheinander bringt. Mir ist schon klar, dass es für die Vertriebe nicht immer möglich ist, jedem Autor eingespielte Sachen zur Verfügung zu stellen. Aber so ein Vorgang kann nötig sein und dauern, und diese Zeit habe ich oft einfach nicht. Es kann sein, dass man einen Tonabnehmer (bei Lautsprechern ist das zum Beispiel häufiger der Fall) am Anfang fast gar nicht hören kann und ihn als Kunde, der das nicht weiß, sofort zurück geben würde. Oft ist aber gleich zu Beginn eine Art Grundklang da, der sich im Laufe der Einspielzeit, die typischerweise zwischen 10 und 50 Stunden beträgt, verfeinernd herausschält. Und das war zum Glück auch hier der Fall, denn das brandneue Midnight Blue kam mit seinen positiven Grundeigenschaften sehr schnell um die Ecke: Rhythmus, Präzision, Finesse. Noch fehlte Grundton, aber frisch aus der Schachtel klang es schon sehr, sehr schön mit einem sehr natürlichen Bass. Und ich finde, man kann einen Familienklang heraushören, aber das möchte ich hier nicht weiter vertiefen.
Musik, Musik Ich habe da so eine Idee, warum mir das Midnight Blue auf Anhieb so gut gefällt.
Im Generator schlummert die Seele eines Tonabnehmers. Das Midnight Blue erweckt sie zum Leben – nicht nur nach Mitternacht Mein Freund Herb Reichert schrieb in Stereophile:“I´m an Alnico kinda guy…“ (Ich bin so ein Alnicotyp). Das könnte ich genauso gut geschrieben haben, denn der Alnicomagnet des Systems beschert mir ein auditives Wohlgefühl, dass ich mit anderen Magnetmaterialien so selten verspüre. Selbstverständlich ist die Gesamtabstimmung entscheidend, aber dieses Detail erscheint mir schon essentiell, gibt es doch die Richtung vor: Auflösung ja, und zwar nicht zu knapp, aber immer eingebettet in so einen wunderbar organischen Gesamt klang. Joan as Policewoman habe ich beim „Record Release“ von „Damned Devotion“ im Amsterdamer Concerto Plattenladen live erleben dürfen. Der hintergründige Groove von „Warning Bell“ und ihr fast falsettartiger Gesang müssen sich finden, und das tun sie mit dem Midnight Blue auf Anhieb. Tonale und interpretatorische Finessen werden schon bei kleinen Lautstärken in ihrer ganzen Fülle und Pracht aus der Rille geschält. Dasselbe gilt für das unfassbar schöne und hypnotische „Wonderful“. Mit 08/15 Abtastern kann das banal klingen. Hier entfaltet es seine ganze Magie, auch wie sich hinter Joans Stimme der Synthiebass in die Höhe schraubt. Die fast schon erotischen Schlagzeugakzente und Joans zauberhafte Keyboardtupfer verbinden sich zu einer Hommage an diese einzigartige Künstlerin. Aber nicht nur tonal, auch rhythmisch bekommt das System eine Eins von mir. Die Drumrolls bei „Strut“ von John Wrights wohl bestem Album „Mr. Soul“ bringen im Zusammenspiel mit seinen harten Klavierakkorden Bewegung in mein Tanzbein. Und ganz ehrlich, das passiert nicht so oft. Lege ich von John Scofield „Swallow´s Tale“ auf, eine Einspielung die dem legendären Bassisten Steve Swallow gewidmet ist, wünsche ich mir den absoluten ECM-Klang: totale Transparenz, Atmosphäre, endlose Bühne, Klangereignisse wie Sterne am Firmament. Bekomme ich das? Oh ja. Dazu Kraft und eben Finesse in einer ungewöhnlich harmonischen Verbindung.
Mitspieler Plattenspieler:
Tonarm:
Tonabnehmer:
- Allaerts MC1 Eco MKII
- Denon DL-103 GL
Vorverstärker:
Übertrager:
Endverstärker:
- Eternal Arts OTL Mark III Commemorative Edition
Lautsprecher:
Gegenspieler Tonabnehmer:
- Lyra Delos
- Hana Umami Blue
Gespieltes - John Wright: Mr. Soul
- Scofield Swallow´s Tale: An Acoustic Skunk Anansie, Live in London
- Joan as Policewoman: Damned Devotion
- Rachmaninow 2. Klavierkonzert: Swjatoslaw Richter (1959)