Phonovorstufe Soulnote E-1 Ver.2 im Test, Bild
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Einzeltest > Phonovorstufe > 19.05.2026

Phonovorstufe Soulnote E-1 Ver.2

Dass Soulnote aus Japan zu einer der spannendsten Erscheinungen des High-End-Business gehört, hat sich nicht zuletzt durch unsere Berichterstattung in den letzten Jahren herumgesprochen. Dieses Jahr feiert das Unternehmen sein 20-jähriges Bestehen – Zeit für ein paar Neuerungen.

Gelungene Basisarbeit

Geschichtliches

Im Vergleich zu den marktüblichen, teils seit mehr als einem halben Jahrhundert präsenten High-End-Manufakturen ist Soulnote ein waschechter Jungbrunnen. Das Unternehmen wurde erst 2006 als Ableger eines Unternehmens namens „CSR“ gegründet. Der geistige Vater der ganz besonderen konstruktiven Philosophie hinter den Produkten ist Ex-Marantz-Mann Hideki Kato, der heutzutage als CTO fungiert und für die Geräteentwicklungen verantwortlich zeichnet. Derzeit gibt es vier Produktlinien im Soulnote-Universum, die sich alle auf die gleichen Prinzipien stützen, nur unterschiedlich konsequent umgesetzt. Die noch sehr neue „Einsteiger“-Baureihe trägt die Nummer null, den dazugehörigen Vollverstärker – ein ziemlich spannendes Modell mit ungefähr 10 Class-A-Watt Ausgangsleistung besprechen wir in der nächsten Ausgabe. Hier jedoch geht’s um die derzeit kleinste Soulnote-Phonovorstufe E-1, die anlässlich des Firmengeburtstages brandneu in der leicht runderneuerten „Ver.2“-Ausgabe erschienen und für 4.500 Euro zu erstehen ist – wahlweise im schwarzen oder silberfarbenen Aluminium-Outfit. Rein optisch sind die „Ver.2“-Geräte ohne Probleme von ihren Vorgängern zu unterscheiden, sind die mit quer verlaufenden Rippen ausgestatteten Fronten der bisherigen Modelle doch einer deutlich moderner und aufgeräumter wirkenden glatten Textur gewichen.

Funktion und Ausstattung

Phonovorstufe Soulnote E-1 Ver.2 im Test, Bild
Frontplatte? Sehr schön schlicht und aufgeräumt
Die E-1 Ver.2 wirkt schon rein äußerlich wie alles Mögliche, aber ganz sicher nicht wie ein Einsteigermodell: 9,5 Kilogramm sind ein Wort, die Ausstattung darf als großzügig gelten, von den erzielbaren klanglichen Ergebnissen gar nicht zu reden. Auch bei diesem Modell lässt Kato-San sich erfreulicherweise nicht davon abbringen, neben üblicher MM- und MC-Funktionalität einen Eingang für elektrooptische DS-Audio-Tonabnehmer zu integrieren. Und das ist keine mal eben angeklebte Alibilösung, sondern eine aufwändige, absolut beeindruckende Variante des Themas. Das Bedienkonzept der E-1 Ver.2 ist ein denkbar schlichtes, tut aber alles, was man so braucht: Ganz links gibt’s einen erfreulich pragmatischen harten Netzschalter daneben besorgen zwei kleine Drucktaster die Eingangskonfiguration: Einer schaltet zwischen dem optischen Eingang und dem Rest der Welt um, einer wechselt zwischen MM- und MC-Betrieb. Auf der rechten Seite findet sich ein griffiger Drehschalter zur Wahl der MC-Eingangsimpedanz: Sechs Werte zwischen drei und 1000 Ohm stehen bereit. Soulnote-typisch gibt es eine relativ große Auswahl an niederohmigen Abschlüssen (3, 10, 30 Ohm), was das Gerät ganz besonders für betont niederohmige Abtaster qualifiziert. Wer gerne mit SPU und Artverwandten hantiert ist hier bestens aufgehoben. Hierzu passt ein weiteres Merkmal der E-1 Ver.2: Die MC-Verstärkung liegt mit rund 70 Dezibel ziemlich hoch, was das Gerät für leise Abtaster prädestiniert, was ja gerne mit „niederohmig“ Hand in Hand geht. Rückseitig gibt’s hinreichend Gelegenheiten zum Stöpseln. Links findet sich das Anschlussfeld für „normale“ Tonabnehmer, und das in Cinch- und XLR-Ausführung. Symmetrisch geht, wie üblich, nur mit MC-Abtastern, wenn vorne „MM“ angewählt ist, bleibt der symmetrische Eingang ohne Funktion. Man kann zudem immer nur Cinch- oder XLR-Leitungen anschließen, beides auf einmal geht nicht. Nebenan gibt’s einen kleinen Schiebeschalter, der die Umschaltung zwischen beiden Eingangsmodi besorgt. Es schließen sich die Ausgangsbuchsen an, die ebenfalls im Cinch- und im XLR-Format vorliegen. Der symmetrische Ausgang funktioniert erfreulicherweise auch bei unsymmetrischem Tonabnehmeranschluss. Die letzten beiden Cinch-Buchsen sind für elektrooptische Abtaster vorgesehen. Es empfiehlt sich nicht, hier versehentlich MMs oder MCs anzustöpseln, weil die anliegende Gleichspannung nicht zwangsläufig gut für die zarten Spulen der Tonabnehmer sein muss. Fast vergessen: das schaltbare Hochpassfilter. Was seinen Namen in der Tat verdient, beschneidet es den Frequenzgang doch schon bei 100 Hertz um drei Dezibel. Mir ist das ein bisschen heftig für den MM und MC-Betrieb (nur dort ist das Filter wirksam), so dass es für den Hörtest auf „aus“ blieb.

Eingemachtes

So, so - Einsteigermodell. Nach dem Entfernen des Soulnote-typisch nicht bombenfest sitzenden Deckels kommt eine der Kato-typischen Elektronik-Orgien zum Vorschein. Im Ernst: Was der Mann hier an Aufwand treibt, gibt’s andernorts zum zehnfachen Preis nicht. Mittig hinter der Front verbirgt sich das obligatorische Ringkerntrafo-Schwergewicht, neuerdings in einem schirmenden Stahlblechgehäuse untergebracht. Auf der linken Seite findet sich die Stromversorgungsplatine, abermals in typischer Soulnote-Manier üppig bestückt. Dicke Siebelkos? Aber nicht doch. Vielmehr gleich 24 kleinere Typen, die in (vermutlich) zwei Gruppen parallel arbeiten. Das macht die Sache schön niederohmig und senkt störende Induktivitäten. Klar werden die Betriebsspannungen geregelt. Natürlich nicht mit schnöden integrierten Reglern, sondern mit diskret aufgebauten Schaltungen: Der E-1 Ver.2 ist eine Oase für alle, die eine Abneigung gegen Chips jeglicher Couleur pflegen – hier gibt’s nämlich gar keine, nur kunstvolle Gewerke aus Einzeltransistoren. Mittig hinter der Rückwand residiert der Entzerrer für elektrooptische Abtaster – ebenfalls vollkommen diskret aufgebaut. Einer der Unterschiede zu den „Ver.1“- Modellen scheint generell in einer neuen Art der Arbeitspunkteinstellung (Bias) zu bestehen, bei der Kato merkliche Fortschritte erzielt haben will. Auffällig sind die offenbar hohen Betriebsspannungen des Gerätes, mit denen man Halbleiter in den optimal linearen Bereichen ihrer Kennlinie betreiben kann. Das gilt auch für die Platine auf der rechten Gehäuseseite, die für die Verstärkung von MM- und MC-Signalen zuständig ist. Auch hier gilt die Maxime: möglichst keine Gegenkopplung, kurze Signalwege und eine noch reduziertere Schaltung als beim Vorgänger. Auch mechanisch gibt’s wieder ein paar Besonderheiten: Die serienmäßig montierten „harmlosen“ Gehäusefüße können gegen mitgelieferte Spikes ausgetauscht werden, was sich für Leute, die nichts gegen Löcher in der Oberfläche ihres Racks haben, durchaus empfehlenswert ist. Zumal sich einer der Spikes direkt unterhalb des dicken Trafos befindet und eine effektive Resonanzableitung an dieser Stelle ermöglicht.

Klang

Der E-1 Ver.2 durfte im Hörraum neben der Alders & Lange „Vinly Engine“ Platz nehmen – so ziemlich der gegenteiligen Herangehensweise an das Thema Phonovorverstärkung. Hüben diskrete Schaltungskunst, drüben moderne integrierte Schaltungstechnik. Da verwundert es nicht, dass sich auch die klangliche Signatur beider Geräte merklich unterscheidet. Wo die Vinyl Engine auf Präzision und Transparenz setzt, punktet der Soulnote mit Geschmeidigkeit und Schmelz. Überhaupt sollte man viel mehr „Crippled Black Phoenix“ hören. Da fiel mir doch passenderweise das wunderbare Doppelalbum „Great Escape“ der schwedisch-britischen Kunstrocker mit einem ausgeprägten Hang zu großen, epischen Melodiebögen und ausladenden Arrangements in die Hände. Wieso, verdammt, habe ich das Ding eigentlich so lange nicht aufgelegt? Die Soulnote verleiht dem Sound genau den richtigen Ausdruck: Man ist mittendrin in einer gewaltigen, getragenen Landschaft aus Klang. Die Gesangsparts sind konzentriert und perfekt lokalisierbar, der instrumentale Überbau füllt den ganzen Raum perfekt. Die Frage, ob das jetzt besser oder schlechter ist als irgendetwas anders, stellt sich für mich gar nicht, weil‘s einfach ergreifend und ungeheuer emotional ist. Ich habe mich wirklich schwergetan, das irgendwann zu unterbrechen, um das DS Audio DS003 zu montieren. Damit klingt‘s denn auch etwas anders. Zwingender, vielleicht noch besser im Raum sortiert, konzentrierter – ein Stück mehr wie die Alders & Lange-Phono. Für mich ganz persönlich ist die E-1 Ver.2 eine kleine Sensation. Ich habe selten an einer Phonovorstufe so unmittelbar und direkt „andocken“ können wie an dieser, was mich nachhaltig verwundert – immerhin hatte ich nicht zuletzt die größeren Soulnote- Kaliber in Händen. 

Messtechnik-Kommentar
Phonovorstufe Soulnote E-1 Ver.2 im Test, Bild
Der Frequenzgangschrieb offenbart das recht rigorose Hochpassfilter: Mit einem -3-Dezibel-Punkt von 100 Hertz beschneidet die Basswiedergabe dann doch merklich. Im MM-Betrieb verstärkt das Gerät um gut 46 Dezibel, das ist mehr als ausreichend. Bei 5 Millivolt am Eingang gibt’s erfreuliche 71,2 Dezibel(A) Fremdspannungsabstand und 70 Dezibel Kanaltrennung, die Verzerrungen betragen 0,24 Prozent. Im MC-Betrieb freuen wir uns über knackige 70 Dezibel Verstärkung, knapp 51 Dezibel(A) Fremdspannungsabstand und Kanaltrennung sowie 0,37 Prozent Klirr. Die Stromaufnahme liegt mit 26,3 Watt im Rahmen.



Mitspieler
Plattenspieler:
  • Transrotor Massimo Nero / Studio 12“
Tonabhehmer:
  • Transrotor Figaro
  • DS Audio DS003
Vollverstärker:
  • · Symphonic Line RG10
Lautsprecher:
  • · JBL L300
Gegenspieler
Phonovorstufe:
  • Alders & Lange Vinyl Engine VE-100 F

Gespieltes
  • Crippled Black Phoenix: Great Escape
  • Archive: You all look the same to me
  • Anouar Brahem: Barzakh
  • The Smashin Pumpkins: Adore



Fazit

KategoriePhonovorstufe
ProduktE-1 Ver.2
HerstellerSoulnote
Preis4500 Euro
Getestet vonHolger Barske
Vorheriger Test

Einflussreich - Röhrenvorverstärker Air Tight ATC-7

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Holger Barske
Redakteur / Tester

Holger Barske


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