Tonabnehmer Ortofon MC X50 im Test, Bild
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Einzeltest > Tonabnehmer > 28.07.2026

Der Klassenprimus

Gewiss, die Quintett-MCs von Ortofon waren ein wenig in die Jahre gekommen und es überrascht nicht, dass letztes Jahr eine Nachfolgelinie präsentioert wurde. Der allerdings fehlte zum damaligen Zeitpunkt noch etwas ganz Entscheidendes

Test Tonabnehmer Ortofon MC X50

Und zwar – ein Spitzenmodell. Ein Flaggschiff. Bei aller Begeisterung, die der Kollege Bayer seinerzeit fürs erfreuliche bezahlbare Modell MC X20 (500 Euro) aufbrachte – es war klar, dass der dänische Tonabmehmerspezialist zum Schluss noch eins draufsetzen würde. Und zwar nachdem die vier kleineren Modelle am Markt etabliert worden sind. Und eben jenes geschah anlässlich der diesjährigen High End in Wien, bei der Ortofon sich mal wieder selbst als Aussteller präsentierte. Nämlich um zwei neue Abtaster vorzustellen. Der eine davon war das mit 15000 Euro für die meisten von uns nur theoretische interessante MC Vertex, das andere das MC X50 mit einer Null weniger am Preisschild. Und ich komme nicht umhin zu konstatieren, dass es dem Prestigemodell in Wien ein wenig die Show gestohlen hat. Um so mehr freut es uns, dass wir kurz nach der Show ein Exemplar zur Begutachtung erhalten haben.

Tonabnehmer Ortofon MC X50 im Test, Bild
Der Nadelschutz des MC X50 ist im Handling angenehm unproblematisch
Bevor wir auf die Besonderheiten des MC X50 eingehen, sollten wir noch kurz auf die gemeinsamen Merkmale der MC X-Baureihe eingehen. Die fünf Mitglieder sehen sich nämlich zum Verwechseln ähnlich, was daran liegt, dass sie auch technisch sehr nah beieinander sind. Tatsächlich sind Gehäuse und Generator bei allen Modellen identisch, die Unterschiede konzentrieren sich auf Nadelträger und Abtastdiamant.
A propos Gehäuse: Mein erster Kontakt mit dem MC X50 verlief diesbezüglich etwas ernüchternd, weil es sich ein bisschen wie Kunststoff anfasste – ein solider Metallkorpus sollte bei schlanken 8,6 Gramm Eigengewicht eigentlich nicht möglich sein – oder doch?
Weit gefehlt, lieber Herr Barske. Hier gibt’s nämlich nicht nur Metall, sondern tatsächlich Edelstahl. Noch nicht einmal das allgegenwärtige Aluminium, das bei genauerem Hinschauen ja gar nicht so nichtmagnetisch ist, wie landläufig kolportiert. Ein „richtiger“ Edelstahlklotz würde den Abtaster natürlich in völlig illusorische Gewichtsregionen befördern. Nicht so hier: Dank modernster 3D-Druckverfahren schuf Ortofon einen dank Wabenstruktur höchst filigranen, gleichzeitig aber immens stabilen Korpus.
Überhaupt ist „Prozessoptimierung“ ein wichtiges Stichwort bei der Entwicklung der MC X-Serie. Es überrascht kaum, dass Ortofon während der über zehnjährigen Laufzeit der Quntett-Serie ein Menge gelernt hat, und all diese Dinge sind in die MC X-Serie mit eingeflossen. Anspruchsvolle 3D-Druck-Komponenten sind ja schon lange eine Spezialität der Dänen, die extrem fortschrittlichen Gehäuse der MC X-Serie sind so etwas wie die Kulmination dieser Entwicklung.
Allen MC X- Generatoren gemeinsam ist ein Samarium-Kobalt-Magnetsystem und Spulen aus reinem Silberdraht. Die Wahl des Magnetmaterials ist etwas überraschend, weil die damit erzielbare Feldstärke ein gutes Stück von dem entfernt ist, was zum Beispiel mit dem allgegenwärtigen Neodym drin wäre. Allerdings ist Feldstärke an dieser Stelle nicht alles, Ortofon nimmt bewusst in Kauf, bei seinem Generator ein paar Windungen aufbringen zu müssen – in diesen Dimensionen spielt der Silberpreis noch keine allzu große Rolle.

Beim Thema Prozessoptimierung kommen auch weitere Teile des Generators ins Spiel: Die Anzahl der Komponenten für den Magnetkreis wurde so weit wie möglich reduziert. Das macht nicht nur den Zusammenbau einfacher, sondern reduziert auch die Anzahl der „Stoßstellen“, was Streuverluste minimiert und die Effektivität der Anordnung erhöht. Unterm Strich liefert das MC X50 eine Ausgangsspannung von soliden 0,4 Millivolt bei einer Schnelle von 5 cm/s, was mitten im Wohlfühlbereich der allermeisten Phonovorstufen liegen sollte. Einen Innenwiderstand von 6 Ohm halte ich in Anbetracht der Konstruktion für bemerkenswert niedrig, die Nadelnachgiebigkeit liegt mir 14 µm/mN im mittleren Bereich, was dem Betrieb an einer großen Anzahl von Tonarmen Tür und Tor öffnet. Eine nominelle Auflagekraft von 20 mN sind ebenfalls Standard, eine Abschlussimpedanz von „über 50 Ohm“ ebenfalls.
Das Besondere am MC X50 nun findet sich ganz vorne in Gestalt von Nadelträger und Nadel. Ersterer ist ein solides Borstäbchen, wies es sich sonst nur beim MC X40 findet. Der Diamant des MC X50 letztlich ist etwas ganz Besonderes: Ortofon entwickelte hierfür einen eigenen Micro Ridge-Schliff, der für besonders hohe Abtastfähigkeit und Langlebigkeit sorgen soll. Die Befestigung am Nadelträger erfolgt „nude“, also ohne Kleber und sonstige „Zwischenstücke“. Wen’s interessiert: Die Verrundungsradien der Nadel betragen 75 bzw. 2,5 Mikrometer.

Tonabnehmer Ortofon MC X50 im Test, Bild
Dank gerader Vorderkante und korrekten Zusammenbaus ist der Abtaster problemlos zu justieren
In Sachen Montage sind die MC X-Systeme ausgesprochen einfach handhabbar. Die gerade Vorderkante des Systemkörpers hilft bei der Einstellung der Kröpfung, zumal der Nadelträger perfekt gerade im System sitzt. Natürlich gibt’s Gewinde im Systemkörper, was das Verschrauben mit dem Headshell erleichtert.
Klanglich ist das MC X50 nicht weniger als eine Wucht – es gibt Gründe dafür, waru, es in dieser Ausgabe ziemlich omnipräsent ist. Mit ihm kann ich die echten Großkaliber an MC-Systemen im Regal lassen, weil es auch in einem richtig teuren Umfeld eine ausgezeichnete Figur macht. Tatsächlich vereint es – und das gibt es selten – die mühelos-flüssige Wiedergabe von guten MM-Abtastern und die filigranen Tugenden exzellenter MCs in hohem Maße, und  so etwas gibt’s selten. Bestens zu demonstrieren mit Led Zeppelins Live-Großtat „How The West Was Won“. Wir hören „Since I’ve Been Loving You“ und stecken knietief im schweren, vor feuchter Hitze triefenden triefenden Blues. Das Ortofon macht das großartig geschlossen und selbstverständlich. Man hört einfach auf. Über Klang nachzudenken und genießt nur noch. Wer den unbedingt will, der darf sich über die saubere Sortierung des Geschehens auf der Bühne, Jimi Pages supefiligrane Gitarrenarbeit und Robert Plants stimmliche Hochform freuen, getragen von John Bonhams überaus kräftiger Rhythmusarbeit. Ein höchst eindringliches musikalisches Erlebnis und mein Wunsch, hier auf einen deutlich teureren Abtaster umzubauen ist schlicht nicht vorhanden. Tatsächlich hab ich’s auch nicht getan – das MC X50 spricht für sich selbst.

Unterm Strich…
Das hier, das ist es: das MC-System in in irgendwie noch bezahlbaren Preisregionen, das man ab jetzt haben will. Große Abtasterbaukunst!


Ortofon MC X50

  • Preis: ca. 1500 Euro
  • Vertrieb: Ortofon, Münster
  • Telefon: 0251 20263053
  • Internet: ortofon.com
  • Garantie: 2 Jahre
  • Gewicht: ca. 8,6 g
  • Auflagekraft: 20 mN

Mitspieler

Plattenspieler:
  • Sperling L-5

Phonovorstufen:
  • Alders & Lange Vinyl Engine VE 100-F
  • AVM PH 5.3
  • Music First Audio LP 103 LCR
Tonarme:
  • Schick 12“
Vorverstärker:
  • Yamaha C-4
Endverstärker:
  • Yamaha M-4
Lautsprecher:
  • JBL L300
Gespieltes
  • Led Zeppelin – How The West Was Won
  • Fleetwood Mac - Rumors
  • Walcott / Cherry / Vaconcelos – Codona III
  • The XX - Coexist


Fazit

KategorieTonabnehmer
ProduktMC X50
HerstellerOrtofon
Preis1500 Euro
Getestet vonHolger Barske
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