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Einzeltest > Phonovorstufe > 07.01.2026

Der perfekte Partner

Es gibt Marken, die man instinktiv mit einer ganz bestimmten Gerätegattung verbindet. Sagt man „Thorens“, denkt man an: Plattenspieler und dann lange an nichts anderes. Dabei finden wir in der Geschichte der Traditionsmarke immer wieder bemerkenswerte andere Komponenten – wie jetzt die Phonovorstufe MC 1600.

Phonovorverstärker Thorens MC 1600

Der Traditionalist schwärmt von der einstigen mechanischen Präzision aus der Schweiz, dann aus dem Schwarzwald – und seit ein paar Jahren jetzt eben aus Bergisch Gladbach, von wo aus das erfreuliche Revival der Marke vorangetrieben wird, das durch Innovation und hohe Qualität auffällt. Doch wer seine Plattenspieler so konsequent durchkonstruiert wie Thorens die neuen Modelle, der stößt irgendwann auf ein Problem: Was kommt danach? Oft endet die Kette der Verantwortung hier, und der Kunde muss sich auf dem unübersichtlichen Markt der Phonovorstufen etwas Passendes suchen. Thorens wollte das nicht länger dem Zufall überlassen und stellt dem TD 1600 einen Verstärker zur Seite, der nicht nur optisch, sondern auch technisch wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge passt. Wir haben uns den MC 1600 in den Hörraum geholt und dann erlebt, wie ernst es die Analogspezialisten meinen.  

Thorens ist eine der Firmen, die verstanden haben, dass Tradition nicht das Anbeten der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers ist. Mit dem MC 1600 liefert der Hersteller ein Gerät, das auf den ersten Blick durch sein klassisches, geradezu schlichtes Design besticht. Mit seinen Abmessungen und der Formensprache orientiert er sich an den Zargen der Plattenspieler- Brüder. Das wirkt dann im sortenrein bestückten Rack ungemein einheitlich und aufgeräumt.  

Doch bei aller Liebe zur Optik – und dazu gehört auch der per rückseitigem DIP-Schalter farblich anpassbare und dimmbare Thorens-Schriftzug auf der Front (ein nettes Gimmick, das sich aber auch komplett abschalten lässt): Am Ende zählen doch die inneren Werte. Und hier meint es Thorens verdammt ernst. Der Name MC 1600 ist fast schon ein bisschen irreführendes Understatement, denn das Gerät verarbeitet auch Signale von Moving-Magnet-Systemen (MM). Der eigentliche Clou – und hier ist Nomen dann doch Omen - liegt aber in der Konsequenz, mit der das Thema Moving Coil (MC) angegangen wurde. Wir finden auf der Rückseite nämlich neben den obligatorischen Cinch-Buchsen auch ein Paar XLR-Eingänge und – noch seltener in dieser Preisklasse – XLR-Ausgänge.  

Warum der Aufwand? Ein MC-System ist von Natur aus eine symmetrische Quelle, die ihre winzigen Spannungen ohne Massebezug generiert. Wer dieses Signal so früh wie möglich symmetrisch weiterverarbeitet, gewinnt den Kampf gegen Einstreuungen und Rauschen schon nahe an der Quelle. Thorens setzt zudem auf einen echten, diskret aufgebauten Dual-Mono- Aufbau, der die Signale des linken und des rechten Kanals sauber trennt. Ein Blick unter die Haube – oder besser gesagt auf die Unterseite des stabilen Gehäuses – offenbart eine wahre Spielwiese für den anspruchsvollen Analoghörer. Hier sitzen riesige Batterien von DIP-Schaltern, mit denen sich der MC 1600 an so gut wie jeden Tonabnehmer dieses Planeten anpassen lässt.  

Die Eingangsimpedanz für MCs lässt sich in feinen Schritten zwischen 20 Ohm und 1280 Ohm justieren. Das ist praxisgerecht und erfreut Besitzer von Exoten wie den niederohmigen Ortofon SPUs ebenso wie Nutzer moderner Systeme, die eher 100 oder 500 Ohm sehen wollen. Für MMSysteme sind die klassischen 47 kOhm fix, hier lässt sich aber die Kapazität von 50 bis 600 pF anpassen. Einziges Manko: Da die Schalter unter dem Gerät sitzen, muss man zum experimentieren das Gerät anheben oder kippen. Da man dies im Idealfall aber nur einmal macht, verbuchen wir das unter „betriebssicher versteckt“. Technisch setzt Thorens im Inneren auf extrem rauscharme Operationsverstärker der neuesten Generation, flankiert von hochwertigen Folienkondensatoren im Signalweg. Die Spannungsversorgung übernimmt ein aufwendig gefiltertes und intern separat abgeschirmtes Schaltnetzteil, das sich automatisch auf Netzspannungen zwischen 100 und 240 Volt einstellt. Skeptiker mögen nun die Nase rümpfen, doch unsere Messungen bestätigen: Störgeräusche durch das Netzteil sind hier absolut kein Thema. Ein Subsonic-Filter, der bei 15 Hz sanft, aber effektiv eingreift, rundet das Paket ab und schützt die Tieftöner vor unnötigem Hub bei verwellten Platten. 

Klangtest
 
Im Hörraum haben wir den MC 1600 natürlich standesgemäß symmetrisch verkabelt,


Eine vorbildlich aufgeräumte Schaltung ist die halbe Miete
wobei als Zuspieler der passende TD 1600 mit meinem guten alten Ortofon MC 30 Supreme diente, das mit seiner extrem geringen Ausgangsspannung den Endgegner jeder Phonostufe darstellt. Aber: Es fällt gleich einmal auf, dass etwas eben nicht auffällt: Rauschen. Selbst bei der höchsten Verstärkung (bis zu 68 dB sind möglich) herrscht eine Schwärze im Hintergrund, die in dieser Preisklasse absolut einmalig ist. Das schafft Raum für feinste Details und beeindruckende Dynamik. Bei Pink Floyds „Time“ vom legendären Album „Dark Side Of The Moon“ zeigt sich sofort die enorme Impulsschnelligkeit des symmetrischen Konzepts. Die tickenden Uhren zu Beginn stehen plastisch und fast greifbar im Raum, das anschließende Schlagen der TomToms kommt mit einer Attacke, die einen förmlich in den Sessel drückt. Hier weicht nichts auf, hier wird nichts beschönigt.   

Doch kann das Setup auch leise und subtil? Wir legen Miles Davis‘ Kind of Blue auf. Bei „Blue in Green“ beweist die Thorens, dass sie auch die feinen Schattierungen beherrscht. Das Anblasgeräusch der Trompete, das zarte Ausschwingen des Beckens – alles wird mit einer stoischen Ruhe serviert, die man sonst eher von deutlich teureren Vorstufen kennt. Dabei verkneift sich die MC 1600 jegliche künstliche Wärme. Sie gehört beileibe nicht zu den „Schönfärbern“, die einen bewusst analog-runden Klang simulieren, wo keiner ist. Im Gegenteil: Sie ist eine absolut ehrliche Arbeiterin, die sich ganz in den Dienst der RIAAKurve stellt, die sie übrigens mit maximal 0,3 dB Abweichung einhält. Der Wechsel auf das Ortofon SPU Classic GM E auf meinem alten Denon-Direkttriebler zeigt, dass der Charakter dieses Tonabnehmers voll durchgereicht wird. Der typische Schmelz und satte Brustton des SPU bleiben voll erhalten, gewinnen aber durch die Präzision des MC 1600 noch an Kontur. Besonders bei Gustav Mahlers Symphonie Nr. 5 zahlt sich das aus: Wenn das Orchester zum Tutti ansetzt, bricht das Klangbild nicht zusammen. Die räumliche Staffelung bleibt stabil, die Streichersektionen sind klar von den Bläsern getrennt, ohne dass der musikalische Fluss verloren geht. Die Dynamik ist frappierend, dynamische Impulse kommen ansatzlos aus der Rille in die Lautsprechermembran. Die Bässe haben Kontur und trockenen Druck, was wir abschließend mit Yellos Toy sehr eindrücklich verifizieren konnten. Der elektronische Tiefbass wird hier nicht nur als diffuses Grummeln, sondern als klar strukturierte Energie in den Raum gewuchtet. Spaßeshalber habe ich die Thorens MC 1600 dann auch mit meinen alten Thorens TD160 und TD 150 verbunden, deren klassische MM-Tonabnehmer sie ebenfalls zu ganz neuem Glanz verholfen hat – ein Gerät für alle Lebenslagen!  

Mitspieler 
Plattenspieler: 
  •  Thorens TD 1600 mit Ortofon MC 30 Supreme 
  •  Dr. Feickert Volare mit SPU GM E 
  •  Thorens TD 160S MK V mit Elac 796 H24 

Vorverstärker: 
  •  Accuphase C-280 
  •  Accustic Arts Tube-Preamp II 
  •  Modrow HPA

Endstufen: 
  •  Hypex Nilai 
  •  Leak Stereo 20 und Stereo 50 

Vollverstärker:
  •  Synology 925 

Lautsprecher: 
  •  JBL L-300 und L-26
  •  Neuron Acoustic Majestic M 
  •  Audes 526 On-Wall 
  •  Davis The Stage 

Zubehör: 
  •  Netzleisten von PS Audio, Silent Wire 
  •  Kabel von van den Hul, Silent Wire 

Gegenspieler 
Phonovorstärker: 
  •  Symphonic Line Phono 
  •  EAR Phonobox  

Gespieltes 
  • Gustav Mahler: Symphonie Nr. 1 Wiener Symphoniker, Fabio Luisi 
  • Gerry Mulligan: Live at the Village Vanguard 
  • Beck: Morning Phase 
  • Sergej Prokovjew: Romeo und Julia 
  • Kraftwerk: The Man-Machine (Remaster) 
  • Helène Grimaud: Reflection  

Gemessenes
 

   
Die Frequenzgangmessungen der beiden Betriebsarten MM und MC unterscheiden sich nur geringfügig: Bei MM gibt es eine minimal höhere obere Grenzfrequenz, bei MC einen Hauch mehr Tiefton. In Sachen Klirr ist die Thorens MC 1600 sehr zurückhaltend: Gerade mal 0,05 % in beiden Betriebsarten ist sehr gut, ebenso wie der hervorragende  Fremdspannungsabstand von -88 dB(A) bei MM und -70 dB(A) bei MC. Mit einer Leistungsaufnahme von 12 Watt ist die Thorens sehr genügsam. 


Fazit

Die Thorens MC 1600 ist eine hochseriöse, extrem rauscharme und flexibel anpassbare Phonovorstufe, die die Vorteile der symmetrischen Signalübertragung konsequent nutzt. Für den aufgerufenen Preis eine dicke Empfehlung!

KategoriePhonovorstufe
ProduktMC 1600
HerstellerThorens
Preis2199 Euro
Getestet vonThomas Schmidt
Vorheriger Test

Einflussreich - Röhrenvorverstärker Air Tight ATC-7

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Thomas Schmidt
Redakteur / Tester

Thomas Schmidt


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