Lautsprecher Ulber Audio Mira im Test, Bild
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Einzeltest > Lautsprecher > 12.06.2026

Allen Widrigkeiten zum Trotz

Im Laufe der Jahre habe ich mehrere Editorials mit dem Thema: „Bitte eröffne keine Lautsprecherfirma“ geschrieben. Heutzutage ist dieser Rat ein besserer denn je, aber manche Leute ignorieren das trotzdem.

Lautsprecher Ulber Audio Mira

Der Lautsprechermarkt ist gesättigt. Um nicht zu sagen: übersättigt. Und niemand braucht ein weiteres junges, hoffnungsvolles Lautsprecher produzierendes Unternehmen. Jetzt wäre es einfach, Ulber Audio dieses Label ans Revers zu tackern und sich weise kopfschüttelnd abzuwenden. Nun liegen die Dinge in diesem Falle aber etwas anders. Erstens ist Firmeneigner Werner Ulber beileibe kein Branchenneuling. Vielmehr hat er sich in den letzten Jahren einen sehr guten Ruf als Tonabnehmer-Restaurator und -Produzent erworben, und mehr HiFi als das geht ja praktisch nicht. Seit geraumer Zeit gibt’s nun auch Lautsprecher aus dem Hause Ulber Audio. Das ist nun Ulbers Freundschaft mit dem Physiker Wolfgang Stuwe geschuldet, der nun wirklich ein altes Zirkuspferd in dem Metier ist. Dieser kann nämlich auf diverse Jahrzehnte als Entwickler zurückblicken und hat lange zum Beispiel für Helmut Brinkmann gearbeitet. Ich bin großer Freund davon, wenn ein Hersteller oder Vertrieb mir ein Testrät vorbei bringt und nicht versucht, mir einen vom Weihnachtsmann zu erzählen, sondern vielmehr Marketing-Sprech-freie Fakten auf den Tisch legt. Das ist im Falle von Werner Ulber und Wolfgang Stuwe zweifellos der Fall gewesen, wofür ich mich an dieser Stelle mal kurz bedanken möchte. Und so habe ich eine ziemlich gute Vorstellung davon, wie die „Mira“ zum Paarpreis von 11500 Euro funktioniert und warum sie so unverschämt gut spielt. Die Gründe dafür sind nämlich erfreulich nachvollziehbar und solide.

Generelles

Die Mira ist eine 120 Zentimeter hohe Standbox mit betont schlichter, schon fast skandinavisch-kühlen Anmutung. Der Grad der möglichen Individualisierung ist hoch, deshalb bitte ich, den genannten Preis nicht als in Stein gemeißelt zu verstehen – es kommt halt immer so drauf an. Das Prototypenpärchen ist in ein gekalktes Eichenfurnier gewandet, was durchaus nicht ohne optischen Reiz ist. Mit 45 Kilogramm ist der Lautsprecher beileibe kein Leichtgewicht. Das liegt an den bis zu 38 Millimeter starken Gehäusewänden und dem Umstand, dass wir es keinesfalls mit einer schnöden Bassreflexkiste zu tun haben, sondern – man höre und staune – mit einer Transmissionline. Wir erinnern uns: Dieses Gehäuseprinzip war in früheren Jahren ein ziemlich beliebtes, weil es von Hause aus eher schwachbrüstigen Tieftönern zu ernsthaftem Bassfundament verhelfen konnte. Dabei sorgt eine an den Bass angekoppelte, sich zum Ausgang hin verjüngende „Line“ für Resonanzeffekte, die punktuell für erheblich gesteigerte Bassfülle sorgen. Das Prinzip hat zwei Nachteile. Erstens: Es braucht ziemlich viel Luft. Zweitens: Ein solches Gehäuse so abzustimmen, dass nicht punktuelle Frequenzgangüberhöhungen entstehen, sondern eine saubere breitbandige Arbeitsweise, ist eine echte Kunst, die nur von sehr wenigen Konstrukteuren beherrscht wird. Und weil große Boxen irgendwann uncool wurden, ist es ein bisschen still um das Thema geworden. Ulber und Stuwe verwenden hier eine mehrfach gefaltete verkürzte Transmissionline, die nicht der reinen Lehre entspricht, in der Praxis aber ausgezeichnete Ergebnisse liefert und sich zudem noch durch halbwegs moderate Abmessungen auszeichnet: 90 Liter Volumen liegen noch im Bereich der Wohnzimmertauglichkeit.

Treiber

Die Mira ist ein Zweiwegesystem mit so ziemlich den modernsten Treibern, die der Chassismarkt aktuell zu bieten hat. Besonders auffällig ist dabei der achtzöllige Tieftöner, bei dem die Membraneinspannung so aussieht, als ob das Presswerkzeug bei der Fertigung explodiert wäre. Tatsächlich ist die wild zerklüftete Sicke ein echtes Stück High Tech, das Resonanzen an dieser Stelle gar nicht erst entstehen lässt und in nicht geringem Maße für die Verzerrungsarmut und Breitbandigkeit des Tieftöners mit verantwortlich ist. Die Treiber des dänischen Herstellers sind derzeit so ziemlich das heißeste Zeug, das der Markt zu bieten hat, und werden bei einer ganzen Reihe noch viel höherpreisigen Konstruktionen eingesetzt. Die Membran besteht aus schwarz anodisiertem Aluminium, den Antrieb besorgt eine zwei Zoll durchmessende Schwingspule. Der Antrieb (Ferritmagnet) ist von der stattlichen Sorte, der Parametersatz des Treibers verspricht sehr universelle Einsetzbarkeit und das Potential für ordentlich tiefe Töne. Besonders auffällig ist die extrem saubere Abstrahlcharakteristik bis in den Hochtonbereich. A propos Hochton: Hier kommt eine weitere echte Berühmtheit zum Zuge, nämlich die 34-Millimeter-Berylliumkalotte des deutschen Herstellers Bliesma. Sie zeichnet sich durch einen sehr hohen Wirkungsgrad, extrem niedrige Verzerrungen und eine niedrige untere Grenzfrequenz aus. Beryllium ist ein extrem leichtes und steifes Material und quasi ideal für Hochtonmembranen. Leider werden Berylliummembranen immer seltener und zudem unerfreulich teuer, Bliesma ist einer der ganz wenigen Hersteller, die sie überhaupt noch anbieten. Der Pegel des viel zu lauten Hochtöners musste per Frequenzweiche auf das Niveau des Tiefmitteltöners angepasst werden, was für eine De-fakto-Unzerstörbarkeit des Hochtöners sorgt: Er bekommt letztlich so wenig Leistung ab, dass er in dieser Anwendung kaum wach wird. Das hat zudem zur Folge, dass sich der Tweeter extrem tief ankoppeln lässt. Die Qualität beider Treiber erlaubt zudem weitgehende Freiheiten bei der Wahl der Trennfrequenz. Letztlich entschied man sich für sehr niedrige 1,6 Kilohertz.

Frequenzweiche

Die exzellenten Voraussetzungen erlaubten eine sehr einfache Filtertopologie. Und so landete man bei flachen Filtern mit wenig Bauteilen, Korrekturelemente waren schlicht nicht erforderlich. Dafür konnte man in die Qualität der einzelnen Komponenten investieren, Wolfgang Stuwe weiß ausführlich über die klanglichen Unterschiede zwischen „Tritec“- und Kupferflachbandspulen zu referieren. Sogar zur Materialwahl bei den Anschlussklemmen hat er klangliche Relevanz gefunden.

Und sonst

Die Mira ist standardmäßig mit einer Bodenplatte aus Nero-Assoluto-Granit ausgestattet, was weitgehende Unabhängigkeit von der Beschaffenheit der Stellfläche garantiert. Signal finden über oben auf der Rückseite angebrachte Polklemmen zugeführt. Auf der Anschlussplatte gibt’s zudem einen Schalter zur Pegelanpassung für den Hochtöner mit drei Stellungen: Die mittlere Position ist mit -1 Dezibel beschriftet, und das ist auch die, in der sich der Lautsprecher bei uns am wohlsten fühlt. Die Mira ist kein verstärkerkritischer Lautsprecher. Sehr wohl allerdings reicht sie Eigenarten der vorgeschalteten Elektronik unbeeindruckt durch. Ich persönlich halte die Kombination mit schwachbrüstigen Verstärkern nicht für den richtigen Weg, etwas mit ein bisschen Kontrolle und ein paar Watt mehr scheint mir der zu gehende Weg zu sein.

Klang

Erste Bekanntschaft machten wir mit der Mira unter Zuhilfenahme des Symphonic Line RG14, der sich sofort als absoluter Volltreffer emtpuppte. Die Mira in dieser Konfiguration ist nicht weniger als eine kleine Sensation. Um das festzustellen, braucht‘s nicht viel mehr als ein paar Takte von Fleetwood Macs unsterblichem Meisterwerk „Rumours“. Ein paar Noten von John McVies Bass auf „Dreams“ und ich bin verloren. Ich sag‘s nicht gerne, aber: Im Bass klingt die Mira wie eine alte JBL. Voll, warm und genau mit dem richtigen Maß an Fülle. Auf den Punkt so, dass es nicht „dick“ wirkt. Und das alles mit einen einzigen Achtzöller? Unfassbar. Nun ist „Rumours“ alles Mögliche, aber eher kein betont audiophles Album. Hier allerdings klingt‘s hervorragend. Weiträumig und perfekt transparent, man hört sehr deutlich, wie unterschiedlich die einzelnen Tracks produziert wurden. Fürs Audiophile war im Folgenden Dominique Fils-Aimé zuständig, die ja unlängst als Patin der High End in Wien in Erscheinung trat. Ihr irgendwo zwischen Jazz und Pop angesiedeltes Album „My World Is The Sun“ ist denn auch ein klangliches Spektakel so recht nach dem Geschmack dieses Lautsprechers. Die Mira öffnet Räume von schon fast beängstigender Größe, lässt die Stimme völlig frei im Raum schweben und und liefert souverän das akustisches Pendant zu einem Imax-Kinofilm. Und so muss ich mein dringliches Abraten vom Vermarkten neuer Lautsprecher ein bisschen revidieren: So ab und zu treten dabei unverhofft echte Juwelen zutage – das hier ist ganz klar so ein Fall.



Mitspieler
Plattenspieler:
  • Transrotor Massimo Nero / Studio 12“
  • Bergmann Galder & Odin Signature
Tonabnehmer:
  • Transrotor Figaro
  • Otta Theorbo
Phonovorstufen:
  • Alders & Lange Vinyl Engine VE-100 F
Vollverstärker:
  • Symphonic Line RG14
  • Soulnote A-0 Ver.2

Gegenspieler
Lautsprecher:
  • JBL L300
  • Neuron Acoustics Trivion
Gespieltes
  • Fleetwood: Mac Rumours
  • Dominique Fild-Aimé: My World Is The Sun
  • Pink Floyd: Wish You Were Here
  • Wishbone Ash: Argus

Messtechnik-Kommentar
Jawoll – so geht das. Auch messtechnisch hinterlässt die Mira einen hervorragenden Eindruck. Der Frequenzgang verläuft beeindruckend und – viel wichtiger – mit einem perfekt kontrollierten Rundstrahlverhalten. Im Bass
geht’s bis deutlich unter 30 Hertz, der sensationelle Hochtöner bricht erst jenseits von 35 Kilohertz auf, der mittlere Wirkungsgrad liegt bei etwa 87 Dezibel an 2,83 Volt. Bei der Nennimpedanz kann man streiten, ich würd’s eine Sechs-Ohm-Box nennen. Herausragend ist auch das Klirrverhalten: Bei brachial lauten 100 Dezibel Schalldruck lässt sich oberhalb von 500 Hertz kein Klirr sinnvoll messen – besser geht’s nicht. Das gilt auch für das Wasserfalldiagramm, das überhaupt keine Problemstellen erkennen lässt.


Fazit

» Die Mira ist nicht weniger als eine kleine Sensation, im Bass sogar eine große: Sie zählt zu den komplettesten HiFi-Lautsprechern, die ich je hören durfte, und beweist nachdrücklich, dass der Einsatz von exzellentem Material und fundiertem Entwickler-Know-How der Weg zum Ziel ist. Meinen Glückwunsch!

KategorieLautsprecher
ProduktMira
HerstellerUlber Audio
Preis11500 Euro je nach Ausführung
Getestet vonHolger Barske
Vorheriger Test

Einflussreich - Röhrenvorverstärker Air Tight ATC-7

Logo LP:Magazin

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Holger Barske
Redakteur / Tester

Holger Barske


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