Musiker neigen dazu, ihren Anlagen keine Bedeutung beizumessen. Ich habe das nie recht verstanden, aber es liegt wohl letztlich daran, dass sie Musik spielen und selten welche von Anlagen hören. Doch wenn sie das tun, sollten gerade die Lautsprecher besonders gut sein. Das findet Peter Gawrikow von Symphony auch.
Lautsprecher Symphony Mezzoforte
Und Peter Gawrikow ist Musiker. Er kam zum Lautsprecherbau wie so viele spätere Entwickler, weil er sich als Jugendlicher keine Fertiglautsprecher leisten konnte: „Es gab vor Jahrzehnten keine Günstigangebote an Musikerlautsprechern so wie das nun der Fall ist, der DIY Markt war entsprechend groß.“ Zum Glück hatte der Junge handwerkliches Geschick und begann schon mit 15 Jahren Musikerlautsprecher für seine Band zu zimmern. Gawrikow: „Die alten Chassis waren noch braver und kamen größtenteils ohne Saug- oder Sperrkreise aus, aktive Frequenzweichen vereinfachten dies zunehmend.“ Der Saat war gesetzt und so begann er einige Jahre später auch HiFi-Lautsprecher herzustellen und modifizierte dafür populäre Bauvorschläge. Mitte der 90er folgten eigene Entwicklungen, die Frequenzweichen dafür ließ er sich zu Beginn von Gerd Lommersum (Acoustic Systems Engineering) entwickeln. Der scheint von Gawrikows Wissbegier so begeistert gewesen zu sein, dass er ihm viel Wissen weiter gab. Beste Voraussetzungen also für richtig gute Lautsprecher.
Nachbarschaftlich
Der Firmensitz von Symphony ist in Forbach / Lothringen, einer schönen Gegend, in die es den gebürtigen Franken vor vielen Jahren gezogen hat. Die deutschen Absenderadressen sind für den Versand, denn die Versandkosten aus Frankreich sind ruinös. Gawrikow: „Ein 15kg Paket von Frankreich nach Deutschland kostet ohne Massenvertrag bei der französischen Post (Colissimo) 67,99 Euro.“ Die Gehäuse werden in Deutschland in einer Schwarzwälder Meisterschreinerei handgefertigt und bestehen aus handverlesenem 26mm Ahornleimholz mit umlaufend gleichbleibenden und durchgängigen Lamellen von 65 mm Breite. Zusätzliche Aussteifungen verhindern Gehäuseschwingungen wirkungsvoll. Die Oberflächen sind astfrei und mehrfach farbig geölt, Sonderfarben gibt es auf Anfrage. Noch einmal Gawrikow: „Die Platten werden für die Gehäuse so formatiert, dass in der Höhe immer eine 65 mm Lamellenbreite auf eine weitere 65 mm Lamellenbreite der angrenzenden Seiten trifft und die Lamellen rundum durchlaufend sind. Längenunterbrechungen der Lamellen gibt es nicht, da diese durchgängig sind.“ Was mir sehr gut gefällt, ist dass seine Hölzer aus nachhaltigem deutschen und französischen Anbau stammen und in der Nähe des Firmensitzes verarbeitet werden. Das ist in Zeiten, in denen die Menschen ihre Verantwortung zu vergessen scheinen und schier nur noch ökologisch nicht so pralles MDF verarbeiten, einfach nur richtig und gut. Deshalb sind mit Ausnahme der Mezzoforte „Lack“ alle Gehäuseoberflächen geölt, aber dieses Modell wird eingestellt.
Frischer Wind
Gawrikow ist ein erfrischend offener und ehrlicher Mensch und gab unumwunden zu, dass er die Idee, Vollholz für seine Lautsprecher zu verwenden, zufällig bekam. In Abwandlung eines Zitats von Karl Lagerfeld („Die einfachsten Motivationen sind nicht die schlechtesten.“) finde ich, dass die zufälligen Entdeckungen nicht die schlechtesten sind. Man muss sie als das, was sie sind oder sein können, nur erkennen. Anfang der 2010er Jahre hatte er zu Hause einen Wasserschaden und sein 26mm Ahornparkett musste komplett entfernt, abgehobelt, ergänzt und neu verlegt werden. Dazu Gawrikow: „Was macht ein Lautsprecherbastler mit übrig gebliebenem Parkett?- er baut daraus Lautsprecher.“ Das folgte auch die Erkenntnis, dass es keine Anbieter gab, die für exklusivere Inneneinrichtungen entsprechende Lautsprecher in edler Massivholzausführung fertigten. Also baute er ein Heimkinosystem mit entsprechenden Lautsprechern für Kunden mit gehobener Einrichtung. Dass er Innenarchitekt ist schadet hier sicherlich nicht, seine fundierten Material- und Verarbeitungskenntnisse sowie das Planungs- und Konstruktionswissen liegen dort begründet.
Vollholz
Beim Thema Voll- oder Massivholz zuckt der eine oder andere zusammen und hat Sorge, dass es sich verziehen könnte. Gawrikow winkt ab, denn das tut es nur, wenn ein Amateur am Werk ist. Man muss das richtige Holz verwenden - in seinem Fall Ahorn - es genügend lange lagern und in einer Trockenkammer auf etwa 8% entfeuchten. Zu Recht verweist Gawrikow auf den Instrumentenbau, wo Ahorn klassischerweise für Zupf- und Streichinstrumente, aber auch für Flügel eingesetzt wird. Ahorn ist ein mittelschweres Holz, elastisch und zäh und „zugleich aber auch hart mit einem geringen Schwindmaß. So halten Instrumente aus Ahorn Jahrhunderte lang rissfrei.“ Dann dürfen wir Musikfreunde uns ebenfalls entspannt zurück lehnen. Die Hölzer lässt er von einer Fachschreinerei für Massivholz in Bubsheim, Baden-Württemberg, fertigen. Sie verarbeiten die handsortierten Lamellen zu Leimholz. Das Unternehmen ist einer von zwei Betrieben, die so etwas nach den Anforderungen von Gawrikow in Deutschland oder Frankreich überhaupt können. Die Gehäuse selbst baut dann wie erwähnt eine Schreinerei im Schwarzwälder Furtwangen. Trotz ihrer massiven Wände hat die Mezzoforte unterhalb des Hochtöners noch eine Verstärkungsplatte mit vier ovalen Ausbrüchen. Die Dämmung ist Polyesterfließ, das im ganzen Gehäuse locker verteilt wird. Schafswolle hat er verworfen, da sich dort Motten einnisten können.
Chassis und Weiche
Wavecor, nichts als Wavecor. Es liegt eine Form von Frieden darin, wenn man sich auf die Chassis eines Herstellers beschränkt
Der Wavecor Tiefmitteltöner macht seinen Job mehr als exzellent. Dafür sorgen auch sein fetter Magnet und die große, weiche Sicke
Nachhaltig gelernt, sauber verarbeitet und gut bestückt: So geht WeicheGawrikow verwendet nur Chassis von Wavecor, nicht zuletzt seit er Allan Isaksen persönlich getroffen hat. Damit ist er in bester Gesellschaft, Burmester bestellt dort auch. Mit dem Wavecor WF182BD09 hat er sich einen rechten Kraftzwerg als Tiefmitteltöner herausgesucht, der klirrarm auch in kleinen Gehäusen bis 40Hz bei -3dB spielen soll. Dazu gesellt er den Wavecor TW030WA11 Hochtöner mit einer großen Kalotte, der sehr fein zeichnen soll und den man so tiefer ankoppeln kann - getrennt wird bei 1550 Hz. Die Weichen entwickelt Gawrikow wie erwähnt seit langem selbst und achtet auch hier darauf, Bauteile aus europäischer Fertigung zu verwenden. Er sagt: „Die Frequenzweichen haben eine Flankensteilheit von 18/18 dB, was dem Phasenverhalten zuträglich ist. Im Hochton gibt es nur einen Widerstand, dazu nur MKT-Kondensatoren, auch im Tiefpass, alle von Jantzen.“ Abgestimmt sind die Lautsprecher mit einer rückwärtigen Bassreflexöffnung. Das Impedanzminimum von 4,3 Ohm fällt bei 129 Hz an, die Box hat nominell 5 Ohm Impedanz, ihr Wirkungsgrad ist mit 83db sehr niedrig. Gawrikow achtet im Übrigen darauf, faire Löhne zu bezahlen, wovor ich nur meinen Hut ziehen kann. Wenn mehr Menschen ihre Betriebe so führen würden, gäbe es mehr Gerechtigkeit und Frieden auf dieser Welt. Er formuliert das so: „…ein Unternehmen trägt Verantwortung für Jene, die durch ihre Mitarbeit am Erfolg des Unternehmens beteiligt sind.“ Und das Gute an einem Entwickler wie Gawrikow ist die Kombination von offenem Musikerohr und dem Umstand, dass er praktisch jeden Schritt der Produktion schon mindestens einmal selbst ausgeführt hat. Er vertreibt seine Produkte direkt, weil er dem auch nur noch rudimentär vorhandenen Fachhandel nicht vertraut und auch nicht möchte, dass seine Sachen doppelt so viel kosten. Dafür gewährt er ein dreißigtägiges Probehören mit entsprechendem Rückgaberecht.
Gemessenes
Messtechnik-Kommentar
Der Amplitudenfrequenzgang der Symphony verläuft oberhalb von 200 Hz bis auf einen kleinen Buckel um 2 kHz vorbildlich glatt. Der große Hochtöner läuft brav bis 20 kHz durch, er ermöglicht zudem die sehr niedrige Trennfrequenz von weniger als 2 kHz. Auch im Bass ist die Box ausgereizt, die Bassreflexabstimmung liegt bei ultraniedrigen 34 Hz, womit die Symphony auch fast 30 Hz untere Grenzfrequenz erreicht, das ist enorm. Ebenfalls enorm gut zeigen sich die Verzerrungen, die sind nämlich weitgehend abwesend, sodass die Box sehr sauber läuft. Einziger Nachteil ist der relativ überschaubare Wirkungsgrad mit nur 83 dB Kennschalldruck für eine 4 Ohm Box.
Hören
Seid ihr schon gespannt, wie so ein Lautsprecher klingt? Ich auch, denn ich habe nicht den geringsten Schimmer. Mezzoforte bedeutet übrigens mittellaut und das ist für meine Ohren auch die sinnvolle Maximallautstärke dieser Lautsprecher, denn mit ihren bescheidenen Wirkungsgrad sind das einfach keine Wandler zum Krach machen. Mich stört das nicht, denn ich brauche keine brachialen Pegel, mir genügt leise bis mittellaut für zu Hause vollkommen. Wunderschön setzen sich die Mezzoforte gleich mit Baden Powells „Tristeza on Guitar“ in Szene. Da höre ich den satten Bass auf einem sehr wohlig abgestimmten Grundton. Die Kunststoffsaiten von Powells Gitarre kann ich deutlich wahr nehmen und die Perkussion spielt mitten im Raum: das klingt großartig. Soll ich den Lautsprecher ärgern? Ich probiere es einmal mit der Debutscheibe von Led Zeppelin, die als Gradmesser für etwas ungemütlichere Pegel dienen soll. Bei „Good Times Bad Times“ bleibe ich bei Bonhams Schlagzeugspiel und John Paul Jones Bass hängen. Und bei „Babe I´m gonna leave you“ ist es Plants unvergleichliche Stimme. Wenn das Stück immer wieder kurz abhebt, verliert die Mezzoforte aber auch nie den Überblick. Und wenn ich stärker aufdrehe, verliert sie auch nicht die Contenance, sie sagt dann einfach an einem bestimmten Punkt „Tschüss“. Aber nie garstig, immer freundlich. Dann gehen wir doch da hin, wo er am allerbesten, ja so richtig zu Hause ist: bei wunderschönem Jazz und da kommt mir Paul Desmond mit „Easy Living“ gerade recht. Sein klavierloses Quartet mit Jim Hall an der Gitarre dirigiert der Meister der Raffinesse mit unbestechlicher Eleganz und das trifft auch den Charakter dieser Lautsprecher. Ich höre seine Anblasgeräusche, seine makellose Intonation und das traumwandlerische Zusammenspiel mit den Kollegen. Dabei kommt mir immer wieder Nat Hentoffs so treffende Charaktisierung von Paul Desmond in den Sinn: „Dry Martinis.“ Das kann dieser Lautsprecher in Perfektion abbilden. Und auch „Babylon Sisters“ von Steely Dan klingt genau richtig, herrlich satt und die Backgroundvokals treten wunderschön in den Raum. Dazu arbeitet die Mezzoforte alle feinen Details und Frickeleien aus Beckers und Fagens Produktionszauberkiste heraus. Getragen wird das von diesem satten Grundton und dem erstaunlich tief hinunter spielenden Bass und zusammen mit dem fein auflösenden Hochtöner wird daraus … ein Dry Martina, purer Genuss.
Mitspieler
Plattenspieler:
Tonarm:
Vollverstärker:
Vorverstärker:
Endverstärker:
Phonovorverstärker:
- Music First Audio LP 103 LCR
Gegenspieler
- Paul Desmond: Easy Living
- Baden Powell: Tristeza on Guitar
- Steely Dan: Gaucho
- Led Zeppelin: Same
- Dominic Miller: Silent Light
Unterm Strich
Volles Holz, voller Klang. So könnte man das edle Klangideal dieser Lautsprecher beschreiben. Wer Musik in ihrer ganzen Schönheit erleben will, ist ihr zu Hause.