Plattenspieler Bergmann Audio Galder mit Tonarm Odin Signature im Test, Bild
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Einzeltest > Plattenspieler > 16.07.2026

Schweres ganz leicht

Kaum ein Hersteller hat sich mit ausschließlich luftgelagerten Plattenspielern und Tonarmen einen so ausgezeichneten Ruf erworben wie der kleine dänische Hersteller Bergmann Audio. Heute bei uns zur Verkostung: das derzeit größte Setup im Programm.

Plattenspieler Bergmann Galder / Odin Signature

Nett haben sie’s da, die Bergmanns. Im 12000-Einwohner-Städtchen Hobro in Nordjütland beheimatet, direkt am offenbar sehr pittoresken Mariagerfjord gelegen. Vermutlich müsste man da mal hin und ein Firmenportrait machen, finde ich. Alle Bergmann-Produkte werden im eigenen Haus erdacht und gefertigt. Eine riesige Fertigungsstraße wird’s dafür nicht brauchen, weil die Produkte edel und anspruchsvoll sind und nicht in gewaltigen Stückzahlen gefertigt werden.

Johnnie Bergmann baut seit 2008 Plattenspieler und wir hatten immer mal wieder Geräte von ihm zu Gast. Auch die „normale“ Variante von Laufwerk Galder und Tonarm Odin waren anno 2018 schon bei uns. Aktuell den Spitzenplatz im Ranking belegen die Signature-Editionen der beiden Preziosen, deren auffälligster Nachteil ein Paketpreis von 41500 Euro ist. Dafür gibt es allerdings beeindruckende 61 Kilogramm Plattenspieler und ich bin mir nicht mal sicher, ob die Kompressoreinheit darin schon enthalten ist. Wie schon der Ur-Galder wirkt auch die Signature-Ausgabe erstaunlich kompakt: die klaren Linien und die bewusst karge Gestaltung lassen das Gerät weitaus weniger wuchtig wirken als andere Laufwerke in diesen exklusiven Regionen.

Plattenspieler Bergmann Audio Galder mit Tonarm Odin Signature im Test, Bild
Die Kompressoreinheit darf man auch im Nebenzimmer platzieren - muss man aber nicht, sie arbeitet angenehm leise
Zugegeben: Die Kompressoreinheit ist auch noch ein ziemlicher Trumm, aber die darf man gerne komplett verstecken. Da nämlich kommt eine der Neuerungen der Signature-Edition zum Tragen: Die Luftversorgung kann komplett vom Laufwerk aus fernbedient werden und dürfte theoretisch sogar im Nebenzimmer verschwinden. Da das Gerät aber sehr leise arbeitet, gibt es dafür eigentlich keine Notwendigkeit. Trotzdem: Zum Lieferumfang gehört genügend PVCLuftschlauch, um auch solche Experimente zu ermöglichen.

Ganz generell handelt es sich beim Galder Signature um einen Plattenspieler, bei dem der Plattenteller auf einem hauchdünnen Luftpolster schwebt, was eine extrem störarme – weil praktisch reibungsfreie – Drehbewegung ermöglicht.
Plattenspieler Bergmann Audio Galder mit Tonarm Odin Signature im Test, Bild
Der Tonarm gleitet praktisch reibungsfrei auf einem Luftkissen
Zusätzlich erlaubt ein Unterdrucksystem das Ansaugen der Schallplatte an die Telleroberfläche, wodurch die Platte erstens absolut plan gezogen wird und zweitens eine kraftschlüssige Verbindung mit dem Teller eingeht. Der Tonarm Odin Signature ist ein tangential abtastendes Modell, das – ebenfalls praktisch reibungsfrei – auf einem Luftkissen gleitet und so mühelos dem Verlauf der Plattenrille folgen kann. Beides gibt’s nur im Paket aber keine Sorge: Wer will, kann den Galder Signature noch mit drei zusätzlichen Armen bestücken. 

Deren Anordnung an den Ecken des Laufwerksgrundkörpers kennen wir vom Urvater aller Konstruktionen dieser Art – dem Micro Seiki RX1500, den Johnnie Bergmann auch als eine seiner Inspirationen aus den Achtzigern listet. Mir als langjährigem, überzeugten TechDAS Air Force III-User gefällt dieser Upgrade-Pfad sowieso, ich habe viel Gebrauch davon gemacht. Während beim Galder noch Aluminium das dominierende Konstruktionsmaterial war, sind beim Signature-Modell viele Edelstahlteile hinzugekommen. Das beginnt zunächst erst einmal beim Plattenteller, der nunmehr gewaltige 36 Kilogramm auf die Waage bringt. Aus gutem Grund ist er deshalb zweiteilig ausgeführt – am Stück könnte man das Ding kaum sinnvoll handhaben.

Erwähnung verdient der Umstand, dass das Luftlager den Teller nur in der Vertikalen trägt; die horizontale Ebene übernimmt ein relativ konventionelles Gleitlager, bei dem die sehr harte Stahlachse in einer nicht ganz so harten Kunststoffbuchse läuft. Deutlich leiser als konventionelle Lager ist die Angelegenheit aber trotzdem. Angetrieben wird dieses Ungetüm von einem Gleichstrommotor, der ungewöhnlicherweise rechts vom Teller in einer weitgehend separaten Vollmetallbehausung steckt. Eine per Tachogenerator referenzierte Regelung sorgt für ausgezeichnete Drehzahlstabilität; die Anordnung hat auch nur kurz hörbare Mühe damit, den gewaltigen Teller auf Nenndrehzahl zu beschleunigen. Das Problem dabei ist, dass man nicht so recht eine Ahnung hat, wann die Nenndrehzahl erreicht ist, aber dafür dürfte man im Laufe der Zeit ein gewisses Gefühl entwickeln. Die Schallplatte liegt auf einer drei Millimeter starken Acrylmatte mit kleinen Bohrungen, die der Vakuumansaugung dienen. Für die Dichtigkeit gibt’s innen und außen umlaufende Gummilippen. Das Unterdrucksystem wird in dem Moment dicht, in dem man das Auflagegewicht über die Tellerachse stülpt, vorher sind Luftgeräusche deutlich wahrnehmbar. Über das Gewicht wird die Anordnung nach Beendigung des Abspielvorgangs auch wieder entlüftet. Das ist eine ziemlich clevere Konstruktion, die ohne irgendwelche Ein- und Ausschaltvorgänge für den Kompressor auskommt. A propos: Jener wird mittlerweile von der Antriebseinheit mitgesteuert. Sprich: Wenn mit einem der beiden Taster der Antrieb in Betrieb genommen wird, dann startet auch die Luftversorgung. Sie schaltet nach gebührender Wartezeit auch wieder ab, wenn der Antrieb ausgeschaltet wird.

In der Praxis funktioniert das alles sehr gut und ziemlich geräuscharm; mir sind als altem Air Force-User viel der erforderlichen Handgriffe sehr vertraut. Platte umdrehen, ohne den Antrieb anzuhalten? Kein Problem. Der Tangentialtonarm Odin Signature ist seinem „normalen“ Pendant sehr ähnlich, wurde aber in einer ganzen Reihe von Details verbessert. Er erzeugt sein „Luftkissen“ mittels eines mit vielen kleinen Bohrungen versehenen Rohres, auf dem eine am eigentlichen Tonrarm befestigte „Lagerschale“ gleitet, die vom Luftstrom getragen wird. Bei dieser Bauart nimmt man bewusst in Kauf, dass relativ viel Luft ungenutzt in den Raum geblasen wird – das geht auch nicht völlig geräuschlos. Der Vorteil ist, dass man keinen Schlauch am beweglichen Teil des Arms mitführen muss, der die Luftzufuhr bewerkstelligen müsste. Die Einstellung der korrekten Arbeitshöhe ist immer ein kritischer Punkt bei Tangentialarmen; beim Odin Signature gibt es neuerdings zwei Einstellschrauben, mit denen man Höhe und Neigung des Arms (fürs Antiskating) sehr präzise einstellen kann. Das innen bedämpfte Armrohr besteht aus einem Aluminium-/Kohlefaser-Sandwich und verleiht dem Ganzen in Verbindung mit dem entkoppelten Gegengewicht eine effektive Masse von 14 Gramm – klassisch mittelschweres Terrain.

Der Arm funktioniert ausgezeichnet, einzig der Lift ist nichts für Grobmotoriker: Die Konstruktion hebt den Arm gänzlich unbedämpft mit einem Drehknopf an der rechten Seite hoch, was ein bisschen Übung erfordert, sonst macht’s unerfreuliche Geräusche beim Aufsetzen der Nadel. Klanglich dürfte der Bergmann einer der besten Dreher sein, die mir je untergekommen sind. Trotz seiner schieren Masse hat er nichts von der stoischen Trägheit, die viele Masselaufwerke auszeichnet. Und zur Feier des Tages durfte dann auch das Lyra Atlas Lambda unters Headshell des Odin Signature – und es will da bis jetzt nicht wieder heraus, das vermeldet es ganz deutlich.

Die Kombination verzaubert mit überragender Leichtigkeit und Detailtreue. Für besondere Gelegenheiten wie diese bemühe ich ja immer gerne den phänomenalen Direktschnitt „Moonlight Serenade“ von Ray Brown und Laurindo Almeida. Was sich auch hier als Erlebnis allererster Güte erwies: Die Kombination verwöhnte mit überragendem Realismus, die tiefen Lagen hatten Substanz, aber keinerlei Anzeichen von plumper Schwere. Almeidas Gitarre tönte brillant, anmutig und ganz einfach überzeugend, ohne einen Hauch von Künstlichkeit. Mit dem Analog Relax EX500 ging’s eine Spur sanfter und zurückhaltender zu, der generelle Tenor war aber der gleiche. Tatsächlich habe ich noch nie ein so schweres Laufwerk gehört, dass mit solcher Leichtigkeit und Finesse agiert wie der große Bergmann: Auch schnöde Rockmusik wie das neue Long Distance Calling-Album präsentierte die Maschine ausladend, inbrünstig und völlig unbeeindruckt. Schade, dass dieser Plattenspieler finanziell in solch völlig unerreichbaren Dimensionen residiert – das könnte er sein.

Mitspieler

Phonovorstufen:
  • Alders & Lange Vinyl Engine VE-100 F
Vollverstärker:
  • Symphonic Line RG14
Lautsprecher:
  • JBL L300
  • Ulber Audio Mira

Gegenspieler

Plattenspieler:
  • Transrotor Massimo Nero / Studio 12“
  • Thorens TD 124 DD Exclusive / TP 125

Gespieltes
  • Ray Brown, Laurindo Almeida: Moonlight Serenade
  • Steely Dan: Pretzel Logic
  • Kyuss: And The Circus Leaves Town
  • Long Distance Calling: The Phantom Vo



Fazit

KategoriePlattenspieler
ProduktGalder mit Tonarm Odin Signature
HerstellerBergmann Audio
Preis41500 Euro
Getestet vonHolger Barske
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Einflussreich - Röhrenvorverstärker Air Tight ATC-7

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Holger Barske
Redakteur / Tester

Holger Barske


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